Verzeihung, Herr Magister Doktor Professor!

Ich bitte dich um Verzeihung, lieber Herr Magister Doktor Professor, ich habe deine Hand vergessen. Du hast eine sehr schoene Hand, zum Greifen nahe! Ich habe nicht dich vergessen, nur diese, mit der du mir auch in der Ferne nachstellen wolltest. Ja, ich weiss, sie ist ja eine nicht durchblutete, ziemlich kalte – abgegossen, um sie in diesem Zustand fuer die Ewigkeit (wie du sagtest) aufzubewahren.
Ich weiss, lieber Herr Magister Doktor Professor, es ist eine der vielen, die in du in deinem Regal in der Akademie aufbewahrt hast. Fiele das einmal um (oder wuerde es eine deiner Studentinnen in ihrer Wut umwerfen) – schnell waere diese Ewigkeit vorbei.
Natuerlich, lieber Herr Magister Doktor Professor, es waere dir zuzutrauen, dass du deine Studierenden dann dazu anhieltest, sie zu restaurieren, als Restaurieruebung, die du dann vielleicht sogar bewertest. Bonne chance!
Klar, dass du stolz bist, lieber Herr Magister Doktor Professor: du hast deine Hand-Sammlung ja schon vor Jahren begonnen und x Studentinnen und Studenten hast du zu deinen Helferinnen und Helfershelfern gemacht. Einerseits ging es dir um die Demonstration bestimmter Gesten; andererseits um das „Einfrieren“ deiner Haende zu bestimmten Zeitpunkten im Lauf der Jahre.
Ich frage mich jetzt, lieber Herr Magister Doktor Professor, in welchem Zustand du dich damals befandst, zur Zeit dieses Abgusses, den du mir auf die Reise mitgabst. Ein Geschenk, auf das ich jetzt hoellisch aufpassen muss.
Du erinnerst dich, lieber Herr Magister Doktor Professor, lieber Alfons: oft wandtest du dich mir zu und sagtest etwas sehr Zaertliches. Manchmal sprachst du auch schwaermerisch ueber irgendein Projekt oder ein Zitat etc. Du schautest dabei vielleicht ueber mich hinweg, bliebst aber immer bei mir mit diesem leichten Druck auf meine Stirn, der zunehmenden Waerme und der Ruhe, die von dir zu mir auf diese Weise herueberfloss. Dafuer bin ich dir noch immer sehr dankbar - merci, merci beaucoup!
twoblogs - 27. Nov, 12:40



