Schwester Frausaese

Es – dieses weibliche Denkende - erblickt niemanden bis zum Ende dieser Gasse, es blickt nicht hinter sich. Es hoert sich – in der Erinnerung – "Schoeswie, schoeswie!" sagen, sieht die spitzen Lippen der Schwester Frausaese, sieht sich selbst sich abmuehen bei den Franzoesischaufgaben, Fleiss, Fleiss, zèlèe, trop zèlèe, avec un zèle redouplé, un zèle ardant!
Es erlebt sich als sich Plagende, voller Fleiss und Eifer und Muehen, nur den Eltern zuliebe. Es erlebt sich als immer brav gute und sehr gute Noten Heimbringende, als an Lehrerinnen Anschluss und bei ihnen Wissen Suchende, als immer zu wenig Belohnung Bekommende, als nach Belobigung und Anerkennung Strebende.
"Se tenir droit, immobile, sur la rèserve" – „un pied dans un pays et l’ autre en un autre...“*): es (dieses weiblich Denkende, das gerade Pflasterpause hat) haelt sich gerade, steht unbeweglich (wenn es aufmerksam schaut), verhaelt sich reserviert (wenn es Pfeifen oder die ueblichen Anmachsaetze hoert) – und steht so oft mit einem Fuss in dem einen Land, mit dem anderen in einem andern.
„Je trouve ma condition très heureuse, en ce qu’elle est libre.“*) ich befinde mich am Ende der Rue Rollin, auf der runden (ja, kreisrunden) Place Benjamin Fondane. Ich werde als weiblich Denkendes gleich die Stufen hinunter zur Place Monge gehen und dort in die Metro steigen – mich sehr gluecklich fuehlend, très très heureuse! "C’est une journée heureuse, tu peux la marquer d’une pierre blanche."*) Ein gluecklicher Tag, den du dir im Kalender rot anstreichen kannst!
*) Siehe Gedenktafel.
twoblogs - 29. Sep, 11:52
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