Philosoph, am spaeten Vormittag, gemustert

Worueber gerade jetzt schreiben? Ueber die Beschaffenheit dieses Bewusstseins, das auf einmal entschieden maennlich erscheint? Warum denn? So gereckt! Wuerde ich so stehen, unabhaengig davon, dass ich mich um mehr als zehn Jahre juenger ansetze?
Gerade Haltung! Nimm Haltung an, Maedchen, wahre – zumindest – den Schein! Sagte das jemals meine Mutter? No! Jamais!
Gereckt das Kinn der Luft entgegengestreckt? Ja, tatsaechlich, wenn ich mich jetzt so locker vor diesen Spiegel hinstelle (der mich keineswegs ganz zeigt, nicht einmal halb, ich muss da ziemlich herumtaenzeln, was mir eigentlich nicht liegt, damit eine annaehernde Vorstellung von der Person kriege, die da im Begriff ist, das Institut zu verlassen)... Wenn..., dann sehe ich zwar deutlich mein Kinn, keineswegs so hoch - das faende ich ziemlich unbequem, da entstuende eine Spannung, die ich nicht mag. Und der Glanz – der wird schnell weggetupft, so nebenbei.
So gereckt die Haende in den Hosentaschen? Diese Jeans erlaubt es nicht, meine Haendchen mit meinen Fingerchen und meinen farblos lackierten Naegelchen so einfach da drin zu versenken. Nichts geht da rein. Gut, ich vergesse einmal das Problem mit den Schenkeln, also deren muskuloese Konsistenz.
Was folgt daraus? Der Philosoph denkt ja nicht mit den Haenden in der Tasche. Aber er denkt sich einen Gestus aus; er folgt diesem; er folgt einem Schatten, der ihm aus der Geschichte her anweht. Er sollte die Haende dankend erheben! Danke, Hr. Scho, danke, Hr. Pen; danke, Hr. Hau, vielen Dank, Hr. Er! (Oder so; usw.)
Des Musters Farberregung? Ja, gewiss, jede Frau macht die Erfahrung, dass Muster erregend sind. Das faengt schon mit diesen vielen Rosatoenen an, mit denen sie als Baby geradezu ueberfuettert wird. Diese permanente Rosa-Erregung ist dann auf alle gerade modischen Farben leicht zu uebertragen und wirkt natuerlich ansteckend!
Des Musters Unmusterkeit? Nicht schlecht, Audrii, gute Leistung. Das spricht die Philosophielehrerin, der Kunstlehrer oder von mir aus auch Alfons. Unmusterkeit! Oder besser doch: Ummusterkeit? Was wollte ich denn sagen, was ich nicht schon gedacht hatte?
Des Musters Hintergrund ist doch erstaunlich kohaerent! Aber ist das ein kohaerenter Gedanke?
Mein neuer Lippenstift war eine erstaunlich konhaerente, aber auch konsistente Entscheidung. Nimmst du ihn nicht, nicht gerade diese Farbe, bist du waehlerisch, zoegerlich, dann stehst du morgen oder uebermorgen vor den Ruinen deiner Schoenheit! Ja! Also vor den Ruinen des eigenen Anblicks! Ja! Damit auch in voller nackter Haesslichkeit im spaeten Vormittagslicht dieser deiner Widerspiegelung ausgesetzt!
Und welchen Satz rieche ich jetzt? Die Katastrophe ist keineswegs das Bevorstehende, sondern das jeweils Gegebene!
twoblogs - 3. Nov, 11:24



