Muttermilch fuer alle, taeglich

Aeusserst selten erinnere ich mich an einen Traum so genau wie an diesen. Ich habe ihn noch im Halbschlaf notiert:
Ich habe nun doch ein Baby bekommen, ein Buberl. Aber ich bin nicht bei ihm, er wurde fuer mich im Redaktionsbuero aufbewahrt.
Die Geburt war ganz leicht und ohne Schmerzen, und ich war begeistert: vor allem darueber, dass es nun doch wahr geworden war, ein eigenes Kind zu haben; und dass ich nun all das Wissen anwenden kann, das ich ueber Kinder inzwischen angesammelt habe.
Ich komme ins Buero und erzaehle einer Kollegin über die Koepfe der andern hinweg, dass die Geburt sehr einfach war, watscheneinfach, nichts von den Schwierigkeiten und Schmerzen, die darueber kolportiert immer werden. Schwupps, es ist da, es schreit.
Gleichzeitig denke ich, dass ich nun auch zu den Frauen gehoere, die diese Geburtserfahrung gemacht haben; jetzt gehöre ich zu den Eingeweihten.
Eine der Frauen kenne ich: sie ist Bildhauerin, kommt aus Berlin. Ploetzlich zeigt sie auf einen grossen Korb aus rotem Filz. Und darin liegt mein winziges Baby. Ich bin hingerissen und hebe es hoch. Ich druecke es an meine Brust. Es beginnt zu trinken, und ich schwebe im Glueck.
Bald erinnere ich mich, dass ich noch vieles besorgen muss. Ich bin in Eile, denn heute will ich mein Baby endlich nach Hause mitnehmen. Ich frage, ob ich etwas für die Kolleginnen mitbringen soll. Daraufhin geht eine Frau von der einen zu anderen und uebergibt mir dann einen ellenlange Liste, auf der ich nur das Wort Windeln entziffern kann. Auf den Rand hat noch eine hingeschrieben: Muttermilch fuer alle!
Waehrend ich auf die Strasse gehe, frage ich mich, ob die Milchspende nicht ein bisschen wenig ist im Vergleich dazu, dass sie mir mein Baby in der ersten Woche nach der Geburt so liebevoll betreut haben. Eigentlich muesste es ja heissen: Muttermilch fuer alle taeglich! Ich traue mir zu, alle meine Kolleginnen der Reihe nach mit meiner Milch zu versorgen.
Dann bin ich dann wieder bei meinem Baby. Ich will es vor den Kolleginnen saeugen, aber das geht nicht. Es kommt nichts heraus, auch nicht. als sich einige Frauen an mir zu schaffen machen, um, wie sie sagen, die Verstopfung zu loesen. Kein einziger Tropfen! Keine bekommt etwas ab! Ich verabschiede mich aufgewuehlt und sage: Aber ich werd das schon hinkriegen!
twoblogs - 19. Jan, 11:33
18 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks



