Manchmal spielte ich Schach mit der Linken

Es gab eine Phase, da spielte ich stundenlang Schach gegen ein Computerprogramm. Ich passte die Schwierigkeit meiner jeweiligen Befindlichkeit an und siegte fast immer.
Schliesslich begann ich wieder Nabokov zu lesen, zuerst „Lolita“, in Erinnerung an die oft nur kurz aufblitzenden Phantasien in der Klosterschule, es muesste einmal (anstelle der meist als allerletzte beim Tor auftauchenden Mutter) eine Limousine halten, aus der ein aelterer Herr entstieg (fuer mich damals ein etwa Dreissigjaehriger), um mich zu entfuehren.
Ich stellte mir das sehr aufregend in allen Details vor: was er mit mir im Auto sprechen wuerde, auf welche Weise ich ihm signalisieren wuerde, dass ich einerseites alles tun wuerde, was er verlangt, aber nur solange er drei Bedingungen erfuellte: 1. keine Beruehrung ohne Erlaubnis; 2. eigenes Zimmer mit Schluessel; 3. Erfuellung aller Wuensche, angefangen bei Kleidung, Schminke, Essen bis zu Konzert- und Theaterbesuchen, Ausfluegen, Reisen etc.
Dann las ich „Lushins Verteidigung“. Daraus zitiere ich jetzt aber nur einen fragmentarischen Satz: „Nebel, Ungewissheit, Leere“. Gemeint ist: nur das bleibt, wenn eine echte Schachspielerin oder ein echter Schachspieler das Schachspielen aufgibt. So weit liess ich es nie kommen. Ich haette auch nicht genug Talent und Leidenschaft gehabt, um mich als solche bezeichnen zu koennen.!
Ich hatte tatsaechlich damals ein rosanes T–Shirt, mit aufgedrucktem Schachbrettmuster. So spielte ich aber nicht alleine Schach, sondern nur mit Alfons, auf seinen Wunsch, keineswegs ernsthaft. Denn dabei ging es immer um ein Pfand. Und gar nicht darum, dass ich gewann; sondern darum, dass ich ueberhaupt weiterspielte. Eine richtige Entscheidung, weil das Bauchbrett ja eine aeusserst wackelige Angelegenheit war und ich mich dabei sehr beherrschen musste, damit keine Figur umfiel. (Nicht selten fielen alle auf einmal um!)
twoblogs - 1. Feb, 12:22
15 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks



