Labsal, Morgenroete, Happyness

Aus der Muehsal wird die Labsal, schrieb mir Dr. Schein. Stimmt! Was ist geschehen? Wer hat diese geheimnisvolle Spiegelachse eingefuehrt? Ist das Leben hier in Paris an der Rue Muffetard ploetzlich eine Steigerung des Narzissmus, gibt es denn ueberall Spiegel in meinem Institutszimmer, spiegelt sich auch die Erkenntnis, Wasser und Feuer sind ueberall. und damit auch Happyness?
Im Traum fuehrte ich einen Dialog mit Edith, die ja keineswegs aus meinem Leben verschwunden ist. Wir telefonieren fast taeglich, sie schickt mir Mails, sie kriegt Geschenke, kleine, die nicht viel kosten, Aufmerksamkeiten, die Freude bereiten, auch handgeschriebene Brieflein, mit besonderen Papieren, in Briefen transportierbaren Fundstuecken, Erinnerungszettelchen, Zitaten etc.
Bist du es, Edith?
Wenn ja - warum schaust du mir so aehnlich?
Was traegst du da in der Hand?
Trage ich etwa dasselbe?
Haben wir die eigentuemliche Macht, alle Muehsal in Labsal zu verwandeln?
Ergaenzen wir einander auch ueber diese 500 km hinweg so, dass wir uns beinahe nicht unterscheiden?
Laesst der Traum, die Traeumerei auch noch waehrend des Tages diesen schoenen Schein zu, als stuendest du unmittelbar vor mir in der Tuer oder gar schon in diesem Zimmer, so hell von diesen drei Lampen, wie ich es gern habe in der Nacht?
Von aussen betrachtet, also aus Ihrer Sicht, sind uns Schmetterlingsfluegel gewachsen. Ich habe den loewenkoepfigen Stein mit ein paar Handgriffen in solche verwandelt – so sind nun einmal Frauen, sie gieren nach Schoenheit!
Und woher kommt das Begehren, frage ich Edith, dieser Trieb, dieser drive? Zum Beispiel dass ich voller Sehnsucht an dein oranges Mini-Kleid denken muss, das du beim Abschiedsessen am 10. Juli getragen hast und ich jetzt gern anfassen wuerde, dazu die orangen Ballerinas. Waehrend ich in meinen roten Asics dagestanden bin, sonst aber ganz in Schwarz, leicht bekleidet, aber es haette auch ein T-Shirt genuegt.
Ich weiss nicht, was es bedeuten soll, dass ich so traurig bin. Ein wirklich witziger Abschiedssatz von dir. Ich haette deinen Blutdruck messen sollen, die Herzfrequenz, die Atmung, die Temperaturschwankungen deines Koerpers, Mimik und Gestik studieren. Komischerweise habe ich dein Laecheln von damals wie eine Maske in Erinnerung, als wuerdest du dich abmuehen, etwas zu verbergen. Ich bin ein lebendiger Organismus und befinde mich staendig im Zustand des Ungleichgewichts. Ich doch auch!!
PS: Ich wollte noch etwas ueber die untergehende Sonne anfuegen: die ist schon ihr Aufgang, das Abendrot zugleich die Morgenroete! Ich bin aber muede, es ist schon wieder halb zwei, ich muss mich hinlegen. Nur soviel: Morgenroete hat einen erotischen Beiklang, was Sie mir vielleicht bestaetigen koennen. Aurora! Ich sollte Edith Aurora nennen, Aurora Happyness!
twoblogs - 24. Sep, 11:42
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