Kommt ein Neues Jahr geflogen!

Immer kommt ein Neues Jahr geflogen und landet, genauso wie ich geflogen und hier gelandet bin. Ist es erwuenscht? So, wie es aussieht – warum nicht! Und sollte es Fluegel haben, von mir auch aus auch graue, schwarze oder gar schillernde: was spraeche dagegen, es mit Freude zu begruessen? Und ein schwarzes, weisses oder geblumtes Kopftuch – sollte mir das nicht egal sein?
Prinzipiell ist es so, dass mir jetzt, noch im Alten Jahr, dieses ja sozusagen nachhaengt. Ihnen auch? Hat das bei Ihnen einen negativen Beigeschmack? Prinzipielle bei mir nicht, denn ich habe keine Verluste infolge der Krise zu verbuchen, was wohl mit der Minimalitaet des Einkommens zusammenhaengen mag.
Gewoehnlich ziehe ich Bilanz, wenn mir danach ist. Da genuegt es, mich hinzulegen oder die Augen zu schliessen – und schon ziehen Szenen vorbei, mit den Farben des Gluecks, der Trauer, des Erfolgs, des Misserfolgs, der Demuetigung, des Gewinns etc. ganz von selbst eingefaerbt. Die Bewertung geschieht anscheinend ohne mein Zutun.
Am 25.12. war ich bei einer Freundin am Stadtrand zu Besuch. Ich kam muede an, und sie fragte mich, ob ich mich nicht aufs Laufband begeben wolle, um wieder zu Kraeften zu kommen. Ich war zuerst erstaunt, dann aber einverstanden. Sie stellte sich neben mich und erzaehlte mir eine Weile von den vergangenen Tagen. Schliesslich sagte sie: Wenn du willst, kann ich dir das Radio einschalten, und ich verzieh mich ein bisschen! Ich nickte, und sie tat es.
Bald lief ich mit geschlossenen Augen vor mich hin, waehrend ich folgendes hoerte: Robert Schumann, Quartett für Streicher Nr.3 in A-Dur: Johann Sebastian Bach, Contrapunctus 12; György Ligeti, Quartett für Streicher Nr.2; und Franz Schubert, Quintett für Streicher in C-Dur.
Das Schoene daran war, dass ich dabei in eine beinahe tranceartige Stimmung geriet, waehrenddessen mir mein Koerper als recht fern erschien. Die Fuesse bewegten sich ganz von selbst, ich spuerte das Laufband kaum. Die Musik erfuellte mich so, dass ich mir danach dachte: Genauso wuerde ich viele Stunden im Neuen Jahr erleben wollen: abgehoben, schwebend, in einem unbefragten, losgeloesten, intensiv bewegten Geisteszustand!
twoblogs - 31. Dez, 10:38
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