Ich bin keine Suchmaschine

In vielen Faellen bin ich wie eine Suchmaschine, die nichts findet. Ich suche - zum Beispiel - ein Buch, eine bestimmte Stelle darin, geh zu einem der Regale und versuche den Zeitpunkt zu imaginieren, an dem ich dieses Buch das letzte Mal in der Hand hatte. Manchmal weiss ich weder Titel noch Autorin bzw. Autor, aber den Ort, sodass ich blind hingreifen koennte; das passiert in den wenigsten Faellen. Meist stehe ich eine Weile ratlos vor dem Regal und warte vergeblich auf einen Erinnerungsblitz. Geht es Ihnen auch manchmal so?
Dazu fand ich – rein zufaellig – folgendes Zitat von Michel Foucault, aus: Die Ordnung der Dinge (und ich war einen Moment lang zufrieden, weil es sich so schoen an die beiden vorherigen Eintraege anschmiegt):
„…dass die Tiere sich wie folgt gruppieren: a) Tiere, die dem Kaiser gehoeren, b) einbalsamierte Tiere, c) gezaehmte, d) Milchschweine, e) Sirenen, f) Fabeltiere, g) herrenlose Hunde, h) in diese Gruppe gehörige, i) die sich wie tolle Hunde gebärden, k) die mit einem ganz feinen Pinsel aus Kamelhaar gezeichnet sind, l) und so weiter, m) die den Wasserkrug zerbrochen haben, n) die von weitem wie Fliegen aussehen.“
Die Lehre: Ich haette meine Buecher von Anfang an nach passenden Kriterien ordnen und mich immer daran halten sollen. Ich gestehe: es gibt einen kleinen geordneten und einen grossen mehr oder minder ungeordneten Bereich.
Einfacher ist es natuerlich, etwas auf einer Festplatte zu suchen. Allerdings aergere ich mich noch immer ueber die Suchfunktion bei Vista. Vielleicht mache ich nur etwas falsch. Es kommt mir vor, als wuerde die Suche bei W2000 besser einzuschraenken sein. Am Notebook haette ich noch Copernic Desktop Search. Das schalte ich meist aus, weil mich das Geraeusch auf der Festplatte, das die Indizierung erzeugt, nervoes macht.
Worauf ich hinaus will, ist eine Selbstbezichtigung: es gibt Inseln der Ordnung auf meinen Festplatten, aber keine wirklich durchgehaltene logische Struktur. Das haengt auch damit zusammen, dass ich die Dateien verschiedener Festplatten - die aus verschiedenen Arbeitsperioden stammen - auf einer einzigen vereinigt habe und mich bis jetzt noch nicht aufraffen konnte, die Struktur zu vereinheitlichen. Einfaches Beispiel: identische Fotos und Bilder befinden sich unter verschiedenen Titeln in verschiedenen Ordnern auf verschiedenen Strukturebenen.
Im Prinzip geht es immer um ein Verhaeltnis von Chaos und Ordnung, also um meine Sehnsucht nach mehr Ordnung; und um die Schwaeche - dieses elende Schwaechgefuehl, das mich ueberfaellt, wenn ich daran denke, wie viel Ordnung ich haben koennte; und zu wie wenig ich faehig bin.
twoblogs - 5. Jul, 11:12
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