Fleisch, ueberall, es brutzelt

Mit einer gewissen Lust betrachte ich Fleisch, wenn es zum Beispiel so in einem Schaufenster haengt. Es sind Fleischstuecke, die den Koerper eines Tiers gebildet haben, das wahrscheinlich vor kurzem noch am Leben war. Es haucht mich noch das Leben an, koennte ich sagen, wuerde ich immer mit Aufmerksamkeit und Empathie da stehen bleiben koennen und mir so ein Tierleben vorstellen wollen.
Es (dieses herabhaengende, schon – in meiner Phantasie, die ich nicht beherrschen kann – Schenkelstueck, dieses Beinstueck, Wadenstueck, dieser Vorderlauf etc.) – also es, dieses Fleischstueck, bewegt mich jetzt nicht vom Fleck. Ich denke an einen Ochsen, der der in Ecke eines Stalls steht und keineswegs aus Ochsenstuecken besteht. Auch die Kuh und der Stier bestehen keineswegs aus Kuh– und Stierstuecken. Dort.
Hier, denke ich, ist diese leicht weiter verwertbare Keulensammlung so leichthin haengend ausgestellt. Ich bin die erwartungsvolle Konsumentin, ich ergehe mich schon im vorhinein im Fleischgenuss. Ich hoere das Braten, Brutzeln und brutzle schon selber in der Erwartung des gebratenen Rindsfleischstuecks.
Ich sehe meine Mutter, wie sie die Fleischstuecke mit dem Schlegel klopft, klopft sie zu duennen Schnitzelfladen und waelzt sie im Eigelb und im Mehl und in der Panier. Dann brutzelt es.
Ich sehe meine Mutter, wie sie – auf dem Hof ihrer Eltern – beim Zerlegen eines Schweins mithilft. Ich sehe mich, wie ich davonlaufe, als die Schweinejagd im Hof beginnt und wie ich hoere, dass das Schwein in Todesangst keucht.
Spaeter bin ich – nicht nur in abstracto – zur Fleischesserin geworden, und ich esse auch jetzt jedes Fleisch, wenn es sich mir anbietet. Wenn es mir jemand anbietet! Ich selbst muss mich leider – nicht nur wegen der momentanen finanziellen Flaute – sicherheitshalber ziemlich einschraenken! (Also, ehrlich gesagt, habe ich auch gar keinen Appetit!)
PS: Dieses Foto wurde in Paris aufgenommen.
twoblogs - 18. Mai, 13:27
16 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks



