Etwas Denkendes, ein gluecklicher Tag

Es gibt etwas Denkendes, es ist weiblich. Das Denkende ist weiblich. Es hat vor 24 Jahren zu bluten begonnen, es blutet. Das Denkende denkt weiblich, es erkennt eine Vielzahl moeglicher weiblicher Attribute. Das weibliche Denkende, das sich auf den beiden weiblichen Fuessen durch die Rue Rollin bewegt, sieht nicht nur diese Gedenktafel, es liest sie auch, Wort fuer Wort, Zahl fuer Zahl.
Das weiblich Denkende erlebt diese drei Jahreszahlen – 1644, 1647, 1650 – als eine weite Distanz zu ihrem jetzigen Dasein. Es zaehlt zurueck, nimmt – seltsamerweise - die Finger zu Hilfe: 19.., 18.., 17.., 16.. – bald 400 Jahre. Es denkt: 400 Jahre zurueck waeren 400 Schritte. Es denkt: wenn ich kleine (50 cm-) Schritte mache, waeren das 200 Meter. Waere jedes Haus hier 10 Meter breit, wuerde ich an 20 Haeusern vorbeigehen muessen, um auf den Schatten (Atem) von Descartes zu treffen. Bei groesseren (60 cm-) Schritten waere er 40 Meter weiter weg.
Es denkt: besser sei es, die Distanz in Menschenleben zu messen, in Generationen. 4 Generationen pro Jahrhundert ergeben 16 Generationen bis zu Descartes. Es denkt: Ihr Blickwinkel reiche ueber die Grosseltern nicht hinaus, nicht ueber deren Erinnerung an ihre Grosseltern. Es denkt, sie habe keinerlei Erinnerung an deren Erinnerung – also reiche ihr Blick maximal (nicht als Wissen, sondern gefuehlsmaessig) bis in die 40er des vergangenen Jahrhunderts. Es fragt sich, ob es ein Fehler war, bisher nicht mehr Interesse fuer die Grosseltern und deren Leben aufgebracht zu haben.
twoblogs - 26. Sep, 12:31
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