Don’t use the flaesh!

Etwas vom Zeus hat er schon, wenn er mit seinen Blitzschleuderdings da durch die Gegend wandert. Stolpert. Schwebt!
Ein Riesendings hat er da vorn, das ich – um den Schrecken zu vermeiden – bewusst ausgeblendet habe. Ein Riesen..., ja. Mich hat es beinahe umgeworfen, als ich es sehen musste. Davor wollte ich Sie bewahren.
Ich hatte auch nicht gedacht, dass so etwas so schnell passieren wuerde, dass einer dieser von mir gar nicht geblitzten, sondern voellig unbemerkt fotografierten Laeufer sozusagen Rache nehmen wuerde, nicht aufgrund seiner Boesartigkeit, sondern eigentlich wohlgesinnt, mir jedenfalls. So interpretiere ich das.
Jedenfalls hat er sich so ein Superding organisiert und nicht einmal gegen mich gerichtet (zuerst) – sondern gegen irgendwelche, die ihm grad ueber den Weg laufen. Oder gegen die am anderen Ufer, an der Rive gauche, dort, wo die armen Bouquinisten staendig den Abgasen der ununterbrochen vorbeiflitzenden Autos ausgesetzt sind.
Dazu eine passende kleine Abschweifung. Was ist die groesste Buchhandlung der Welt?, fragte mich unlaengst Monsieur Joyeux, bei dem ich oefter stehen bleibe. Die Antwort kam gleich von ihm: Natürlich das Internet. Eine solche Auswahl kann kein Bouquinist in seiner relativ kleinen Verkaufsbox unterbringen.
Aber wissen Sie, fuegte er hinzu, warum es mich noch gibt? Weil ich noch meinen fixen Kundenstamm habe. Das sind Sammler, die genau wissen, was sie wollen. Heute zum Beispiel war Claude Rosselet bei mir, professeur de lycée. Und warum? Er hat sich ein Buch von der Mme de Staël abgeholt, das ich ihm besorgt habe. Eine Ausgabe von De l’Allemagne von 1820.
Ich habe den Eindruck, sagte ich, die Bouquinisten werden immer weniger! Richtig, sagte Monsieur Joyeux. Aber sie werden weiterhin eine Attraktion fuer die Touristen bleiben!
Nicht aber die Laeufer. Die werden nicht weniger, sondern mehr. Und wie ist es mit den fotografierenden Laeuferinnen? Also mit denjenigen, die auch eine Digicam in der Tasche haben und sie bei Gelegenheit auch zuecken???
Doch zurueck zum Raecher, also dem, der mich schliesslich doch mit seinem Geraet (seiner Geraetschaft) erwischt hat, am helllichten Tag, und zwar unter der dunklen Pont Alexandre III., als ich gerade versuchte, das unbeleuchtete Innere eines Veranstaltungsraumes (einer Bar?), der sich erstaunlicherweise direkt unter der Bruecke befindet, zu fotografieren.
Er koenne jedes Foto, das ich mache, ganz nach seinem Willen manipulieren, verriet er mir. Ich wuerde waehrend der Aufnahme nichts bemerken, erst beim Betrachten des Ergebnisses. Allerdings muesste ich den Blitz einschalten.
Und dann? Ich machte 5, 6 Bilder. Als ich sie auf dem Monitor betrachtete, sah ich dort, wo der Blitz natuerlich alles wegfressen hatte, immer dem gleichen Satz: DON’T USE THE FLAESH!
twoblogs - 15. Sep, 10:08
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