Die schlafende Leserin

Eigenartiges Gefuehl – waehrend des Lesens den Eindruck zu haben zu schlafen. Schlafend zu lesen. Und hinter mir diese Waermelampe, die ich ja tatsaechlich hingestellt hatte. In diesem Zimmer ist es ja immer recht kuehl, auch wenn ich es nur fuer einige Stunden verlasse. Und irgendetwas stroemt einen Geruch aus, einen abgestandenen, auch wenn ich gelueftet habe. Ich muesste also immer lueften und zugleich froesteln.
Seltsamerweise steht in dem Buch, das ich gerade lese, folgender Satz: „Denn alles haengt zusammen, dank dem Wirken des Heiligen Geistes, sagt man. Und wenn ich diesen Umstand nicht an der gehoerigen Stelle erwaehnt habe, so liegt es daran, dass man nicht alles an der gehoerigen Stelle erwaehnen kann, sondern zwischen Dingen, die es verdienen, erwaehnt zu werden, und solchen, die es noch weniger verdienen, waehlen muss. Denn wollte man alles erwaehnen, so wuerde man nie damit zu Ende kommen, und nur darum handelt es sich, zu Ende zu kommen, zu Ende zu kommen."
Das ist Punkt: Ob ich zu einem Ende kommen kann, zu einem richtigen, oder das überhaupt will, nicht nur beim Lesen eines Buches. Und ob ich dazu den Heiligen Geist brauche. Ich wuerde es Inspiration nennen, und die ergibt sich von selbst, in der passenden Verfassung. Alles der Reihe nach, ist meine Devise, es fuegt sich oder fuegt sich eben nicht. Audrey, du musst Geduld mit dir haben!
Waehrend ich nicht sicher bin, ob ich die Saetze richtig zitiert habe, beschaeftigt mich im Hintergrund der Name des Autors. Ich habe keine Idee. Es ist schrecklich, wie schnell ein Name meinem Gedaechtnis entschwindet, obwohl ich weiss, ich weiss ihn. Ich verlasse mich da gern auf Sie, verehrte Leserinnen und Leser! Von wem stammt das Zitat?
Trotzdem muss ich zwanghaft das Alphabet durchprobieren: Arrieu? Becaud? Cardonne? Delerue? Emmanuel, Fresneau, Gotkovsky? Kein Autor ist darunter, kein einziger. Ich gebe auf. Die Frage nach dem Titel waere daher voellig unangebracht.
Ploetzlich hoere ich eine maennliche Stimme, die eines aufmunternd klingenden aelteren Herrn mit franzoesischem Akzent: „Troeste disch, Audrey, meinoe Name gehoert nischt zu doen Dingoen, die du nun erwaehnoen solltest!“
Aha! Und schon greift er mir auf den spitzen Buckel, von dem ich glaube, er sei mir in kurzer Zeit infolge der Waermestrahlung auf der rechten Schulter gewachsen, und ruettelt daran. Davon wache ich auf und sehe, dass ich auf einem aufgeschlagenen Buch liege und zwei Blaetter abgeknickt habe. Ich mache mir Vorwuerfe, die ersten im Neuen Jahr: so achtlos mit einem Buch umzugehen, ist doch unverzeihlich!
twoblogs - 6. Jan, 11:22
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