Die Taube, die gerade meine Hose auffrisst

Wie Sie sehen, kann eine Taube sehr gefaehrlich sein! Laesst sich einfach auf Ihrer linken Hand nieder, und Sie denken: Das ist ein doch friedlicher Vogel (auch wenn er nicht weiss ist), die tut mir doch nichts! Aber was passiert? Sie beginnt am Hosenbein zu zupfen, und sie zupft und zupft, gar nicht zielgerichtet, denn Hosenstoff ist ja kein Taubenfutter. Aber das Ergebnis ist ein tiefer Riss.
Ich war wie gelaehmt, zugleich voller Befriedigung; das muss ich zugeben. Ich weiss nicht, ob Sie das kennen: Bedauern zu spueren, dass sich etwas Bestimmtes ereignet, zugleich Entscheidungsnot; obwohl Sie quasi das Zucken im Muskel nicht ausblenden koennen, verhindern Sie, dass Sie irgendetwas tun.
Ja, Sie wollen vielleicht genauso wie ich wissen, was passiert, wenn Sie nichts tun. Sie sehen sozusagen der Welt zu, wie sie auf Sie einwirkt oder gar einstuerzt, als waere das ein spannendes Experiment, mit dem Sie gar nichts zu tun haben.
Es geht um Ursache und Wirkung; und darum, dass Sie einen Zusammenhang ueberhaupt erst an sich sehen wollen. In dem Fall zwischen dem Vogel, dessen Schnabel und dem Riss in Ihrer Hose, der sich da vor Ihnen auftut. Und dass dort, wo der blaue Stoff war, beinahe uebergangslos Ihr Haut zu sehen ist.
Der linke Oberschenkel zeigt sich – na und? Was hat das mit Ihnen zu tun? Sie haben ja nichts getan. Es ist kein schwarzes Loch, kein haariges Ungeheuer, nur ein Streifen helle Haut!
Aber Sie wissen ja: alle Welt ist Ihnen zugetan, alle lieben Sie, alle sind genauso friedlich wie Sie! Oder sollte ich denken: Es lebe die Taeuschung?
twoblogs - 28. Okt, 11:05
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