Brian, Roma (1)

Brian lernte ich in einer Bar in der Via Gioberti kennen, bei einem Cappucino um einen Euro! Er ist der einzige Mann dort, schiebt ziemlich theatralisch die Dinge zwischen mir und ihm auf der Theke beiseite und fragt mich auf Englisch, wie es mir ginge. Na wie denn, in Rom! Ich Italienisch zurück, und er Italienisch darauf, er sei Student der Biochemie, der sich sein Geld als room service im Excelsior Hotel verdiene. Der Vater habe hier in der Botschaft gearbeitet, das habe ihm eine leichtere Studienmoeglichkeit verschafft. Der sei nun wieder in Liberia. Er sei uebrigens einer von eineiigen Zwillingen, der andere arbeite seit einiger Zeit in Kanada. Dem wolle er nach Beendigung des Studiums dorthin folgen, heiraten und mindestens drei Kinder zeugen.
Gleich wendet sich Brian mit heftigem Interesse meinem Leben zu. Er will alles wissen: wo geboren, wo lebend, hauptsaechlich oder nur voruebergehend, welches Studium, wie alt, mit Freund, mit Freundin, ob er bzw. sie da sei, warum ich ohne Begleitung in einer Bar fruehstuecke, was ich noch vorhabe an diesem Tag, ob ich hier italienische oder gar afrikanische Freunde haette, was ich ueber die Italiener denke, welche Erfahrungen mit ihnen aufgrund meiner Attraktivitaet, wann und mit welchen Folgen etc.
Dann lobt Brian ueberschwenglich glueckliche Zufaelle, wie den, mich hier in dieser Bar kennengelernt zu haben. Lobt seine roemische Freundin, ueber die er sich nicht naeher auslaesst, aber auch andere europaeische Frauen, Rom-Touristinnen, die afrikanischen Maennern zumindest mit Neugierde begegnen. Und besonders lobt er Brigitte, eine 55jaehrige Deutsche, weil sie ihm so tolle Naechte beschert habe.
Alles in allem: nicht ungut, keine besondere Anmache, eine unterhaltsame Vormittagsstunde, doch mit der sich ganz von selbst einstellenden Frage: Wann kommts, wann kommt die Frage der Fragen, auf die er ganz sicher hinsteuert, indem er die Wichtigkeit sexueller Betaetigung in den Raum stellt und alle Frauen bedauert, die keine Gelegenheit dazu haben. War leider erwartbar; aber es haette – zufaelligerweise – schon ein paar Minuten vorher auch fuer ihn genug sein koennen. Zum Abschied legt er mir ein Zettelchen hin, das er vorher gefaltet hat. Was steht da drauf? .... ..............!
twoblogs - 15. Apr, 11:13
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