Am Meer im August, in Trouville

Ich stehe hier am Meer und bin mit einem gruenen Stoff bedeckt, der mir sehr unangenehm ist. Vielleicht, weil er sich wie ein gruener Schlammfilm anfuehlt. Vielleicht, weil er diese Falten und Zacken auf meiner Haut erzeugt, weshalb ich fuerchte, ich wuerde mich – nicht nur auesserlich – in ein Reptil verwandeln.
Damals war ich mit Edith, als sie mich im August in Paris besucht hat, einige Tage in Trouville. Wir wollten uns beide die côte fleurie anschauen und dort auch schwimmen gehen. Ein anderer Grund war auch, dass Margaruite Duras hier im Hotel Roches Noires gewohnt hat; und nicht nur sie, auch Flaubert, Proust etc.
Was Trouville betrifft, gibt es eine Anekdote zu „L'Amant“ von Marguerite Duras. Anlaesslich einer Hommage an sie in Roches Noires machte sich unter den Zuschauern ein Herr bemerkbar, gekleidet im alten franzoesischen Kolonialstil, gestreifte Hose, schwarzes Jackett, gestaerkter Kragen. Er sagte: „Ich habe Marguerite in Indochina im Auto des Chinesen gesehen.“ Er war demnach ein Zeuge dafuer, dass es den Chinesen ihres Romans wirklich gegeben hat.
Und was hat es mit diesem Foto auf sich? Edith drapierte ihr gruenes Sommerkleid genauso um mich. Sie sagte, ich sollte damit ins Wasser gehen. Sie fotografierte den Vorgang. Sie sagte, ich sollte, so eingenaesst, rueckwaerts gehend wieder heraussteigen. Ich tat es, folgsam, wie ihr gegenueber meist bin. Sie sagte, ich sollte langsam den Kopf entbloessen, die Haare entwirren...
Wenn ich jetzt dieses Foto betrachte, ueberfaellt mich ein gewisser Schauer, so als waere das eine ganz andere Person. Als ob das ein duenner Stoff, der kopftuchartig drapiert ist, tatsaechlich bewirken koennte! Aber es reiht sich auch ein in die vielen Rueckenakte von mir, ohne ein Akt zu sein.
twoblogs - 12. Jan, 12:07
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