Ach, meine Hexenfinger!

Es ist so, ich achte gar nicht mehr drauf. In der Schule haben sie mich immer die Hexe mit den Hexenfingern genannt! Mag sein, dass die damals doch etwas duenn waren. Jetzt finde ich sie ganz normal. Ich kann alles tun mit ihnen: feinfuehliges Anfassen, Streicheln, Zwicken, Kneifen, mit Nadeln stechen, Dinge einfuehren, Essenssachen zerteilen, Medikamente, in Buechern umblaettern, tippen, ein Ball fangen, einen Rucksack aufzippen, jemandem ueber den Kopf streicheln, meine Beine in Stellung bringen, Treue schwoeren, den Punkt finden, der anderen Lust macht, meine Handlinien darbieten, mir die Haare einzeln ausreissen etc.
Das hier ist eine ganz typische Geste: ich lege die Hand voellig unbewusst auf meine linke Brust, besser in die Gegend des Schluesselbeins, knicke den Ringfinger ab und bohre ihn mir ins Fleisch. Ich verspuere dabei keinen Schmerz. Ich bin da sehr konzentriert und denke gespannt ueber eine bestimmte Sache nach. Also in einer solchen Nachdenkphase verspuer ich keinen Schmerz. Sie koennen es ja selbst ausprobieren, ob es Ihnen auf diese Weise gelingt, 1. Schmerz zu erzeugen (Sie muessen da schon einige Willen dahinterhaben und ganz fest druecken, so als wollten Sie Haut, Fleisch und Knochen durchbohren oder einen Weg zwischen den Rippen ins Leibesinnere finden); 2. neue Ideen zu haben.
Nicht immer ist Nachdenken mit einer solchen Praxis verbunden, das heisst: einem Schmerztest bzw. einen Test, der mir zeigt, wie wenig Rolle physischer Schmerz spielt, wenn der psychische ueberhand nimmt.
Was verursacht diesen? Pure Versagensangst. Dass ich versage, dass ich leer bin, dass ich keine rettende Hand vor mir sehe. So ist dann der bohrende rechte Ringfinger das Instrument, dass mir zeigt, dass ich nicht voellig empfindungslos bin; und sich mein Hirn nicht nur, was Schmerzempfinden betrifft, mit den Haenden direkt verbunden fuehlt.
twoblogs - 6. Nov, 11:52
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