„Ich will Neues“ (3)

Aus der Distanz betrachtet, geschah unlaengst bei steppenhund etwas verhaeltnismaessig Ungewoehnliches: es war ein wenig hinter die Kulissen zu blicken, ein schaerferer Ton kam auf, im realen Leben etwas ganz Normales, allerdings in der Bloggerei eher verpoent. Nicht unverstaendlich, weil da, wie zu bemerken war, schnell die Masken fallen und etwas Lebendigeres, aber auch Gefaehrlicheres zutage tritt als bei dem ueblichen kleinteiligen Wortspielen und Musikanspielungen (wobei sich mit einem Klick oft ein neuer Aspekt, aber auch die Ablenkung in einen ganz anderen Bereich auftun kann), dem gegenseitigen Beifallklatschen oder undeutbaren Schweigen, was in der Regel vorherrscht.
Warum das? Immer ist ja da auch die Verfuehrung zur schnell wechselnden, aufgesplitterten Aufmerksamkeit; zur Kurzatmigkeit; zu voelligen Fragmentierung etc. Und: Sie muessen sich nicht verantwortlich fuehlen, muessen niemandes Traenen sehen, niemanden streicheln. Aber ganz sicher wollen Sie lieber gestreichelt als geschlagen werden, wenn auch nur mit Worten und Ihren daraus abgeleiteten Hoffnungen und Befriedigungen.
Im realen Leben nehme ich diejenigen ernst, die sich stellen; die Widerstand leisten; diejenigen, die zurueckreden; diejenigen, die mich fordern und nicht lockerlassen. Diejenigen, die meine doch eher ungewoehnliche Lebensweise respektieren.
Nochmals zu dem Neuen: es wurde dort etwas begonnen, was vielleicht einige als Anmassung oder Ueberforderung empfinden: naemlich Blogs – und damit auch die dahinter stehenden Blogistinnen und Blogisten – aus sehr persoenlicher Sicht zu charakterisieren und bewerten, also Gut– und Schlechtpunkte zu verteilen, differenziert und mit einem foerderlichen Humor. Das fand ich von Anfang an spannend, weil zu Seitenspruengen anregend.
Ich habe bisher mein Realleben von meinem Blogleben fast voellig getrennt gehalten. Es gibt bis jetzt nur zwei ab und zu Kommentierende, die ich persoenlich kenne. Das hat mehrere Gruende. Der Hauptgrund ist sicherlich der, dass ich mich vor mir selber schuetzen muss. Und wovor? Vor meinem leicht entflammbaren, aber zeitraubenden – sagen wir – Interesse.
PS: Waehrend ich das schrieb, setzte sich dieser Marienkaefer auf meinen linken Zeigefinger.
twoblogs - 20. Jun, 12:44
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