Dienstag, 8. Juli 2008

„...komm, und lass uns baden in offener See!"

W-2008-07-04-nachtbaden-leman

In der Nacht zu baden, ist ein grosses Vergnuegen fuer mich – nicht allein, sondern in Gesellschaft. Ich schwimme auch gern weit hinaus. Es muss keine Vollmondnacht sein, obwohl ich eine solche vorziehe. Da gewinnen sogar solche Maennerkoerper an Reiz und Geheimnis, die - bei Tageslicht betrachtet - vielleicht schlaff und fleckig erscheinen. Oder – noch schlimmer – ueber die Massen behaart sind, noch dazu dunkelbraun oder schwarz, und im schlimmsten Fall sogar auf dem Ruecken bis hinauf zu den Schultern. Waehrend manche Frauen das als angenehm wuschelig oder gar erotisch empfinden, geht bei mir da die Wand runter.

Hier muss ich gleich einfuegen, dass ich den unpigmentierten Flaum, der die Haut von Frauen und Maennern fast ueberall bedeckt, sehr mag. Ich mag es, im Gegenlicht diesen Flaum zum Beispiel an den Wangen einer Frau zu sehen. Es ist schoen, darueber ganz sanft zu streichen: ein ganz anderes - feineres – Gefuehl, als wenn mir ein Dreitagesbaertiger sein doppelte "Kuessli uf d Bagge" aufzwingt.

"Du moechtest im Sumpfe nicht schwimmen. Komm nun, komm, und lass uns baden in offener See!" (Hoelderlin)

Es gibt einen Zeitpunkt, wo ich mich ausziehe. Das heisst: ich schaffe es nicht, sofort nackt ins Wasser einzutauchen. Ich muss zuerst geschwommen sein, meine Muskeln gespuert haben, bis mir das beiden Stoffstuecke laestig werden oder laecherlich erscheinen. Selbst wenn ich nur mit Edith ins Wasser gehe, verfolgt mich diese Scheu, so als wuerden auf der Promenade hinterm Gebuesch nur Maenner mit Fernglaesern lauern.

Natuerlich macht sich Edith darueber lustig. Wer schaut dir denn unter Wasser was ab? Ich glaub, sie versteht mich nicht. Ich bin noch immer im Zwiespalt. Denn von meinem Koerper leite ich nur ungern mein Selbstwertgefuehl ab. Aber es gibt eine Menge daran, das nicht meinem Ideal entspricht. Zum Beispiel wuerde ich gern schmaelere Oberschenkel haben. Edith sagt: Du hast doch eh Streichholzbeine. Ich sage: Schau wie dick die Oberschenkel in dieser Hose erscheinen. (Gemeint ist: in meiner Stretch Desoto.)

Wir schwimmen zu zweit langsam nebeneinander, lassen uns treiben. Wir schwimmen nicht in Traenen. Wir reden ueber den See, dessen Tiefe, dass wir keinen Grund sehen, dass wir bei dieser Wassertemperatur lang nebeneinander treiben koennten, mit wenigen Tempi. Wir schwimmen nicht in Geld, aber immer wieder ein Stueck am Rücken. Wir schwimmen weiter obenauf, und wenn auch nicht immer in einem Meer von Seligkeit, dann doch in diesem prickelnden Wohlbehagen.

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http://twoblogs.twoday.net/stories/5045919/modTrackback

books and more - 9. Jul, 07:35

Der letzte Absatz ist besonders schön!
Grüße Bux

klausens (anonym) - 9. Jul, 11:04

Nachtschwimmen

„Schwarzes Wasser wie Tinte, zerläuft quecksilbrig auf meinen Gliedern, mein Körper verschwindet darin, rhythmisch. Der Himmel über mir, das Wasser unter mir, ich fühle mich von beidem gehalten, ganz kurz: ein Grundvertrauen in die Welt. Ich bin ein Flimmertierchen, das auf der Oberfläche eines riesigen Bechers voll altem Wasser schwimmt. Chemische Formeln tanzen auf meiner Haut. Die anderen singen schon wieder, hinten im Gras. Ich höre die Gitarre, die Stimmchen, das Gefühl; es ist weit weg. Ich schwimme Rücken, toter Mann, leichte Frau, atme ein, fühle, wie sich meine Lungen mit Luft füllen, der Brustkorb angehoben, atme aus, die Luft entweicht, und sinke ein, sacke in mich zusammen, mit dem plätschernden Wasser.
Ein Kopf nähert sich mir von fern, eine Stecknadel in schwarzer Plane. Er kommt auf mich zu, geradlinig und lautlos, ein Hund. Sofort zieht es mich hinunter, ich schwimme zackig wie eine Kaulquappe, japse nach Atem. Hey Sonja, sagt Timos Stimme. Ich kann sein Gesicht nicht erkennen. Hey, sage ich. Sein Gesicht kommt näher, noch immer unscharf, verwischt, helldunkel. Nightswimming, hallt es gedämpft herüber, deserves a quiet night. Wie warm das Wasser ist, brummt Timo. Ja, sage ich, und dunkel. Er gleitet näher. Es ist ein Spiel. Mich kriegst du nicht, sage ich plötzlich und schwimme und pruste los. Ach ja? kiekst er und krault hinterher. Ich kann mich vor Lachen kaum über Wasser halten. Fang mich doch! Wir machen viel Lärm, ich schwimme Brust, er krault. Es tost um uns herum. Fast habe ich den Beckenrand erreicht, der schlecht zu erkennen ist, schwer abzuschätzen, ob das noch fünf Meter sind oder zwanzig, und sitzt da nicht jemand, ich kreische – da taucht er auf neben mir, ein Muskel beult aus dem Rücken, Wasser splittert vom Körper weg, er berührt mich, umfasst meine Hüfte, zieht mich hinab, ich kreische und lache und schlucke Wasser. Wir sind nackt, erinnere ich mich und bin fast erregt, seine weiche Haut, seine Brusthaare an meinem Rücken.“

Hier können Sie den ganzen Text lesen, sehr empfehlenswert!

twoblogs - 9. Jul, 13:29

Im Unterschied zum Schwimmen im Swimmingpool, Hr. Klausens, ist das im See von einem starken Freiheitsgefuehl, aber immer auch von einer unbestimmten Gefahr begleitet. Das andere Ufer ist weit weg oder gar unsichtbar. In der Nacht sind es ferne Lichter, die auf wieder verschwinden. Sie muessen sich auf Ihre Kraefte, Ihren Orientierungssinn und auch auf Ihr Glueck verlassen koennen. Es gibt unvorhersehbare Stroemungen; die Temperatur wechselt oft. Manchmal ist nur die Oberflaeche warm, und darunter wird es gleich kalt. Manchmal streifen Sie an Fische oder Schlingpflanzen. Im Wasser im See in der Nacht – das Erregende ist sowohl die suesse Bewegung im splittrigen Wasser als auch die suesse Gefahr, die aus der unbekannten Tiefe droht.
kid37 - 9. Jul, 17:07

Nacht- und Nacktschwimmen ist toll. Man spürt das Gefühl des Wassers, der angenehmen Kühle (in lauen Nächten) intensiver, ist allein unter dem endlosen Sternenhimmel... ach, Zeit, ins Freibad einzubrechen.

nanou - 9. Jul, 23:29

Gehe ich Recht in der Annahme, dass dies auf dem Foto NICHT Edith ist, sondern Sie sind?
Im dunklen Wasser muss ich leider passen.

creature - 10. Jul, 00:52

wer stirbt ohne jemals mit seiner ganzen haut das wasser gespürt zu haben hat was elementares verpasst.
ich bin in jungen jahren nackt auf berge gegangen, hab den regen gespürt und den feuchten nebel und mit bloßen füßen über den schnee der sich in schattigen hängen gehalten hat, oben am gipfelkreuz hab ich mich mit den worten von vivekananda in diesem buch eingetragen das da immer aufliegt.
allerdings hatte ich immer eine decke unter dem arm falls menschen meine wege kreuzen!

Anousch O. - 10. Jul, 23:53

Ich wär' gern mitgeschwommen...

audrii (anonym) - 11. Jul, 09:38

Ich bin bereits unterwegs, nicht im See, sondern auf der Strasse. Ich bedanke mich sehr herzlich bei Ihnen allen fuer Ihren Lese- und Kommentarfleiss. Diejenigen, die ich besonders vermissen werde, wissen es! Neue Eintraege werden Sie in ca. zwei Wochen wieder vorfinden. Liebi Grueessli von Audrii

katiza - 11. Jul, 09:51

Gute Reise,

wohin auch immer....
tinius - 11. Jul, 11:44

Eine schöne und erholsame Reise wünsche ich. :) LG tinius
BUCH BLOG - 20. Jul, 15:43

Sehr empfehlenswert, weil Sie von "prickelndem Wohlbehagen" schreiben -die Salzkammergutseen, im besonderen der Altausseer See, wenn Sie einmal in die Gegend kommen sollten, liebe audri.
Der einzige See , den ich kenne den man umrunden kann, ohne von Autos gestört zu werden.Ca. 8 km.
Sie sind nicht von schreiendem Badevolk umgeben, und Sie müssenauch nicht denAnblick von haarigen Männerrücken ertragen - denn Sie können sich einen stillen, wenn Sie wollen auch einsamen Badeplatz aussuchn.
Das Wasser ist sehr klar, an den tiefsten Stellen etwa 50 Meter . Das sollte Sie aber nicht vom Schwimmen abhalten. Auch nicht, dass es sich um einen meist recht kühlen See handelt -derzeit 18 Grad.
http://www.geomix.at/seen-badeseen/oesterreich/Steiermark/Altausseer+See.html#

Falls Sie aber hier etwas Wärmeres suchen, dann sollten Sie den Weg zum etwas versteckt gelegenen Sommersbergersee nehmen, einem kleinen warmen Moorsee.
http://mein.salzburg.com/interessen/aktiv_draussen/2008/07/sommersberger-see.html

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