Alfons und der weibliche Koerper

Alfons experimentiert gern mit dem weiblichen Koerper, auch mittels Fotografie. Er isoliert Koerperteile, verfremdet sie durch Perspektive, Ausschnitt, Faerbung etc., wodurch das Motiv nicht gleich preisgegeben wird.
Waehrend der sog. Sitzungen durfte ich mich oft laengere Zeit nicht bewegen. Das war anstrengend fuer mich. Bald wurde mir kalt. Dann gabs wieder einen kleinen Konflikt darueber, wie lange ich mich aufwaermen durfte. Er haette aber auch mehr einheizen koennen. Doch er machte sich gern lustig ueber meine „Verfrorenheit“ und war jedoch der Meinung, seine Temperaturempfindung gelte fuer mich und alle Welt.
Manchmal war es ihm nur recht, wenn ich zur Ablenkung etwas las bzw. ihm daraus etwas vorlas, z. B. aus John Updikes „Ehepaare“:
„Auch er war nackt. Seine Hände, Fuesse, sein Kopf, seine Genitalien schienen für einen groesseren Mann bestimmt: als ob sein Schoepfer, als er sah, daß der abkuehlende Leib zu klein geraten war, ihm rasch noch eine letzte Dosis Plasma injiziert hätte, die dann an diesen Extremitaeten zu massigen Klumpen geronnen war. Physisch hielt er sich wie jemand, der sich einer potenten Last bewusst ist, die arbeitsrauhen Haende leicht gekruemmt, den Akrobatenruecken ein wenig gebeugt.“ (S. 15)
Keine Spur von einem „Akrobatenruecken“ bei Alfons. Doch auch mit diesen Saetzen konnte er sich identifizieren: „Aber eine Liebesaffaere moechte sich ausplaudern, moechte ihre Seligkeit mit der Welt teilen. Keine Handlung ist so geheim, dass sie nicht doch Beifall sucht.“ (S. 124)
Es geht in dem Roman um Hedonismus, Promiskuitaet und die Selbstgefaelligkeit der Mittelklasse – Themen, ueber die auch Alfons gern vor sich hin dozierte. Einen allzu scharfen Dialog mit mir vermied er jedoch gern mit dem Hinweis, das sei der Arbeit nicht foerderlich.
Damals verwendete er dabei noch keine Digitalkamera. Und er war umstaendlich bzw. pingelig, was die Ausleuchtung betraf und eigentlich ein Fan des Minimallichts, was Sie hier nicht sehen koennen, weil ich das Foto bearbeitet habe. Ich nehme aber trotzdem an, Sie erkennen sofort, um welche „Stelle“ es hier handelt!
twoblogs - 25. Mai, 12:21
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creature - 25. Mai, 14:44
dieses bild sieht aus wie durch ein auge mit großer sehschwäche gesehen, aber ich vermute es dürften die arme sein!
zuckerwattewolkenmond - 25. Mai, 20:36
Die Ellenbogen?
twoblogs - 25. Mai, 22:49
Nein, liebe Zucker, es ist kein Ellenbogen zu sehen!;-))
twoblogs - 25. Mai, 22:59
Sie koennten ja die Perspektive wechseln! ;-))
PS: Und bedenken Sie den 2. Satz im 2. Updike-Zitat.
PS: Und bedenken Sie den 2. Satz im 2. Updike-Zitat.
schneck06 (Gast) - 25. Mai, 23:49
und zwar ein ob der kälte verdrehtes. in der tat, das sei der arbeit nicht foerderlich.
schneck06 - 25. Mai, 23:51
nicht foerderlich, so etwas waehrend der arbeit vorzulesen. meinte ich :-)
schneck06 - 26. Mai, 00:42
keinesebenfallsfalls.
es gibt nichts unerotischeres als das aktzeichnen. jeder, der anderes behauptet, ist nicht bei der sache gewesen! dagegen beim photographieren mag es sich anders verhalten, und ebenso aus sicht des modells...
zuckerwattewolkenmond - 26. Mai, 00:52
Völlig richtig.
Ich meinte das allein aus der Sicht des Modells, denn mit klappernden Zähnen dürfte es schwierig sein, angemessene Inspiration zu verbreiten. ;o)
schneck06 - 26. Mai, 01:15
es geht beim aktzeichnen nicht um inspiration. es geht darum, jenes, was man sieht, so 'richtig' als möglich zeichnerisch abzubilden, aus sicht des zeichnenden, zunaechst. man kann da, auch uebertragen sinnlicherweise, eine menge lernen fuers laeben...
zuckerwattewolkenmond - 26. Mai, 07:56
DAS
finde ich wiederum nicht. Auch beim Aktzeichnen lasse ich mich gerne in eine inspirierte Stimmung versetzen, weil mir dann das Zeichnen leichter von der Hand geht, selbst wenn es nur um die technische Ausbildung und das Sehen geht. Bei dir mag das ja anders sein, aber bei mir sieht man sofort, ob ich eine Sitzung spannend fand oder mich beim Zeichnen gelangweilt habe.
twoblogs - 26. Mai, 00:49
Richtig, Fraenk, was das Aktsitzen betrifft! Lesen lenkt von der Gaensehaut ab!;-)
PS: Die Betrachterin bzw. der Betrachter koennte auch einmal auf die Nordseite wechseln.
PPS: Kennen Sie "Couples"?
PS: Die Betrachterin bzw. der Betrachter koennte auch einmal auf die Nordseite wechseln.
PPS: Kennen Sie "Couples"?
schneck06 - 26. Mai, 00:55
richtig, audriii, was das akt-zeichnen betrifft! das zeichnen lenkt von der gaensehaut ab! :-)
schneck06 - 26. Mai, 00:57
nordseite? ich bin recht nördlich.
zuckerwattewolkenmond - 26. Mai, 00:58
Schade,
daß uns das mit dem Lesen nicht in unseren "Sitzungen" eingefallen ist. Es war zwar für das Modell warm genug, aber so ein bißchen Bildung nebenher, hätte das ganze vielleicht aufgelockert.
schneck06 - 26. Mai, 01:00
PPS: 'couples' kenne ich viele. einige schön, einige unschön. ich habe auch ein paar. sie meinen einen film, stimmts? filme habe ich auch einige... :-)
was meinen sie im speziellen?
was meinen sie im speziellen?
twoblogs - 26. Mai, 01:36
1.Ich weiss, wie weit (!)oben(!) im Norden Sie sind sind, Fraenk. Und jetzt schauen Sie einmal von dort her aufs Bild, ok!
2.Ich habe mich auf die beiden Zitate von Updike bezogen.
3.Angenehme Raumtemperatur UND passende Lektuere versuessen beiden die Arbeit, sind also Zucker! ;-)
2.Ich habe mich auf die beiden Zitate von Updike bezogen.
3.Angenehme Raumtemperatur UND passende Lektuere versuessen beiden die Arbeit, sind also Zucker! ;-)
schneck06 - 26. Mai, 01:57
es ist ein (sehr) schoenes bild. allein, ich kann nicht lesen.
twoblogs - 26. Mai, 02:04
Dankschoen! Und - ich erloese Sie vom Lesen, fuer heutnacht. Aber haben Sie schon vom Nordfenster gesehen, was zu sehen ist? ;-)
schneck06 - 26. Mai, 02:15
begebe mich fuer heute nacht - ganz allein - in ihre haende und frage/sage/frage: nein. noerdliches fenster? nordfenster? ;-)
twoblogs - 26. Mai, 02:30
Wie schoen. Also wenn das Quadrat der Grundriss eines Raumes waere, waere vielleicht OBEN Norden. So wars gemeint. Wenn Sie also von OBEN das Bild betrachten - oder es drehen - was sehen Sie da? ;))
schneck06 - 26. Mai, 02:56
bin da jetzt schon drüber. moi sehe entweder gar nichts mehr, oder ausschliesslich eine leicht gepresste weibliche brust, dazu einen unterarm mitsamt dazugehörigem schenkel links/rechts. und wuerden sie das jetzt hier in meinem atelier verursachen, so wuerde ich versuchen, sie zu ueberreden, heute nacht ici - auf der gaestematratze - zu uebernachten. sie sind ja schon ganz schoen praesent, oder? :-)
twoblogs - 26. Mai, 11:50
Ist doch raffiniert, dieser Alfons, nicht, Fraenk? Morgengruesse von Audrii
PS: Ich erinnere mich uebrigens noch an zwei Buecher, die ich in dieser Zeit gern gelesen habe; das erste: Muriel Spark: Das Treibhaus am East River. Daraus - nicht nur fuer Sie - ein zum Thema „auf meiner gaestematratze“ passendes Zitat:
„Sie oeffnet eine Falte ihres Gewandes und entbloesst ein rosa Busengebirge. Sie schiebt eine Hand in die Bergschlucht; ihre Eier sind wohlgeborgen. Sie hat sich angewoehnt, die Eier ihrer Seidenraupen zwischen und unter ihren Bruesten warmzuhalten; auch neugeborene Laemmchen nimmt sie an den ersten kalten Fruehlingstagen mit in das riesige Bett ihrer Ahnen und legt sie dort ans Fussende, und noch so manch andere tut sie. Jetzt huellt sie sich wieder in ihre Gewaender und schickt sich an, vom Sofa aufzustehen.“ (S. 42)
PS: Ich erinnere mich uebrigens noch an zwei Buecher, die ich in dieser Zeit gern gelesen habe; das erste: Muriel Spark: Das Treibhaus am East River. Daraus - nicht nur fuer Sie - ein zum Thema „auf meiner gaestematratze“ passendes Zitat:
„Sie oeffnet eine Falte ihres Gewandes und entbloesst ein rosa Busengebirge. Sie schiebt eine Hand in die Bergschlucht; ihre Eier sind wohlgeborgen. Sie hat sich angewoehnt, die Eier ihrer Seidenraupen zwischen und unter ihren Bruesten warmzuhalten; auch neugeborene Laemmchen nimmt sie an den ersten kalten Fruehlingstagen mit in das riesige Bett ihrer Ahnen und legt sie dort ans Fussende, und noch so manch andere tut sie. Jetzt huellt sie sich wieder in ihre Gewaender und schickt sich an, vom Sofa aufzustehen.“ (S. 42)
schneck06 - 26. Mai, 12:14
in der tat und au weia, wie der alfons raffiniert ist! und noch mehr, wenn's wieder tag wird. aufrichtige gruesse, fraenk :-)
twoblogs - 26. Mai, 15:20
Und noch nachgeliefert das zweite Buch: Helmut Krausser, Die Zerstörung der europäischen Städte. Seine Protagonisten sind soziale Trittbrettfahrer, die in ihrem Milieu nicht voellig aufgehen. Einer von ihnen sagt: "Aus dem Alter, in dem einem jeder weibliche Körper etwas bedeutet, und seis nur deswegen, weil man danach eine Kerbe in den Bettpfosten schnitzt, aus diesem Alter war ich gottlob raus." Das haette auch als Alfons' Mund stammen koennen.




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