Donnerstag, 15. Mai 2008

JJ3

W-2008-04-22-baer-JJ3-a

Du, der Baer ist los! – hat Edith damals gesagt. Vor drei oder vier Wochen, wos um dessen Leben gegangen ist. Sie wollte mir keinen Baeren aufbinden, sondern berichten, dass JJ3 von den sog. Wildhuetern in Mittelbuenden ins Visier genommen werden durfte, nachdem er vom Problem- zum Risikobaeren aufgestuft worden war.

Es war ein Jungbaer, wie ich nach seinem Tod las, der prominente Geschwister hatte: "Bruno" den man letztes Jahr in Bayern lange nachstellen musste, um ihn umzubringen und auszustopfen, und "Lumpaz". Diese Verwandtschaft haben seine verlorenen Haare verraten.

War es eine Dummheit, JJ3 zu erlegen, auch deshalb weil dann bald ein anderer Baer dessen Rolle einnehmen wird, naemlich keine Scheu vor Menschen zu haben und sich von Schafen und Bienenstoecken – ganz naturgemaess – zu ernaehren ? Oder war er eben „fruehkindlich fehlgepraegt“ und hatte deshalb nichts anderes verdient als Kugeln?

Die „massiven Vergraemungen“ mit Schrot und Knallpetarden hatten ihn nicht von seinen naechtlichen Dorfbesuchen abgehalten, ohne dabei Menschen gegenueber aggressiv zu werden, heisst es. Sinnvoller waere gewesen, sich um eine bessere Abfallverwahrung, Herdenschutz bei den Schafen und Elektroinstallationen bei den Bienenstoecken zu kuemmern, oder?

Ein Jagdinspektor habe aus "tierethischen Gruenden“ fuer den Abschuss plaediert, obwohl sich der WWF auf die prekaere Situation der Alpenbaeren berief, sagte Edith. Gemeint war das Angebot, JJ3 in ein Gehege zu sperren. Sie finde es aber „ethisch bedenklich“, wenn Menschen durch ihr Nahrungsangebot ein Wildtier in Versuchung bringen, die langwierige Nahrungssuche abzukuerzen.

Baeren sind eben Kulturfolger. Wenn sich die Bergtaeler weiter entvoelkert haben werden, wenn es also mehr Platz fuer die Tiere gibt und die Ruecksichtnahme auf den Tourismus nicht mehr die „Ethik“ bestimmt, werden sich menschlichen Umgangsformen auch den Notwendigkeiten der Tiere anpassen.

Aber - ein Baer, der nicht lernt, sich inmitten von Menschen von diesen und vor allem ihrem Abfall fernzuhalten, sagte Edith, wird auch in naeherer Zukunft ein Todeskandidat sein.

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http://twoblogs.twoday.net/stories/4922484/modTrackback

berliner_bärenfreundin (anonym) - 15. Mai, 18:02

der bär im gehege hat's auch nicht am besten. also entsteht die frage, ob der tod dem schweizer bären nicht viel leid erspart hat. in diesem zusammenhang sollte an die drei braunbären im zwinger des köllnichen parks in berlin erinnert werden. der bär im wappen hat kein platzprobleme. tiere, die ein großes rückzugsgebiet brauchen, verelenden auf nicht einmal 500 qm. was hilft da ganze rummel um knut?

http://www.berlin.city-map.de/city/db/070102016500.html
http://okki1616.blog.de/

BUCH BLOG - 16. Mai, 09:41

Bärenprojekt

Ihr Artikel, Audrii erinnnert mich an mein Bärenprojekt. Dieses basiert auf einem lang zurückliegenden Erlebnis mit einem Bärenfell in einem leeren Haus wo ich ein Herbstwochenende mit meinem Freund verbrachte.
Es gab einen Kamin, in dem man Feuer machen konnte . Ich kann noch immer sofort den Geruch der langen Haare des Fells, des glosenden Holzes und des feuchten Laubs abrufen.
An den Bären selbst, von dem das Fell stammte, habe ich damals keinen Gedanken verschwendet.

Bei verschiedenn Gelegenheiten habe ich mich jedoch seither mit Bären beschäftigt, wie auch mit anderen Tieren.
Schließlich wurde ich durch die Ausstellung einer Freundin dazu angeregt, wieder Fotos von mir machen zu lassen. Ich wollte dabei als Person verschwinden und in der Gestalt einer Bärin wiedererscheinen.
Zur Vorbereitung dazu wanderte eine Woche lang durch den Wald.
In der Stadt telefonierte ich mit einem Kostümverleih, wo man mir sagte, das vorhandene sei ein Männerkostüm, daher nichts für eine Frau mit Größe 38.
Man atme durch das Maul, den Kopf könne man abnehmen .
Mich reizte die Vorstellung, dass „der Bär" ein ganzes Wochenende mir gehören würde. gleichzeitig gruselte es mich auch, weil ich mir dachte, dass mich eine solche Gestalt, wenn ich ihr begegne doch ängstigen würde.
Es überwog aber der heftige Wunsch, sowohl physisch als auch psychisch die Erfahrung zu machen, in der Haut eines Bären zu stecken und mich dabei beobachten zu können und auch die Wirkung auf die Menschen
Das sollte alles fotografisch dokumentiert werden.
Dann tauchten Fragen auf wie: Wer ist vor mir drinnengesteckt? Hat er oder sie unappetitliche Spuren von Speichel oder Schweiß hinterlassen? Werden mich die Hunde angreifen? Was darf ich als Bärin denn überhaupt? Wie reagieren die Leute in U-Bahn? Darf ich als Bärin Autofahren? Wird man mir im Supermarkt Honig verkaufen?

Im Kostümverleih war dann meine Enttäuschung sehr groß, denn das Kostüm war aus braunem Frottee; es wirkte höchst lächerlich.
Das trieb mich dazu an , ein 12 Quadratmeter großes Stück Fellimitat zu kaufen und mir daraus ein sehr realistisches Bärenkostüm selbst zu nähen.

books and more - 16. Mai, 18:41

Wow, spannendes Projekt!
twoblogs - 16. Mai, 21:34

Meine ich auch. Wie gings denn weiter, Fr. B.? Ging die Baerin in den Supermarkt Honig kaufen? Gibts Fotos davon?
BUCH BLOG - 17. Mai, 10:55

Mit Bärenkostüm aus Bärenfellimitat und einer Bärenmaske .
Zur Faschingszeit war es kein großes Problem als Bärin in der Straßenbahn zu fahren und im Supermarkt einkaufen zu gehen.
Es gibt auch Fotos von mir als Bärin an einem See bzw. im Wald.
Das war im Winter, also zur Zeit des Winterschlafs. Daraus entstanden dann Grafiken
Damit Sie davon eine Vorstellung kriegen, Audrii, schick ich Ihnen gern etwasper Mail zu.

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