Swisspatat-Alzheimer-Dialog

Edith: Dieses Jahr entzuenden wir aber nur eine Kerze.
Audrey: Warum denn das?
Edith: Weil ich sonst wieder so viele nachkaufen muss.
Audrey: Aber geh, Ditta, sonst hast du doch immer...
Edith: Nein, heuer nicht, Amandine. Ich kann ja auch sehr vernuenftig sein.
Audrey: Charlotte, du musst endlich lernen, dich zu vergeuden.
Edith: Was soll das heissen, Juliette? Hab ich nicht schon so viele Jahre vergeudet?
Audrey: Ja, was heisst das, Désirée? Du haettest nichts, aber schon gar nichts gelernt?
Edith: Je aelter ich werde, Agata, desto mehr schwindet mein Wissen. Bald ist es so weit, dass ich alles vergessen habe.
Audrey: In deinem Jahrzehnt, Lady Christl, vergisst dich doch der Alzheimer noch.
Edith: Ja, und warum faerbe ich mir die Haare schwarz, Laura?
Audrey: Damit der Kelch – welcher auch immer gemeint ist – an dir voruebergeht Lady Felicia .
Edith: Diesen hier hier allerdings, den nehm ich morgen in die Hand, und wir dann stossen dann an – auf deinen naechsten runden Geburtstag!
Und was, glauben Sie, ist das Schoenste? Wie schon vergangenes Jahr werden wir uns ans Seeufer begeben – am Casino vorbei hinunter zur Promenade und an der entlang, bis wir Freddie stehen sehen. Ich war schon einmal bei Regen dort, und ich fragte mich: Weint er? Oder schwitzt er? Ich entschied mich fuers Schwitzen! Jedenfalls leidet er nicht. Wie damals liegen viele Blumen dort, Zettel und Fotos.
Es haengt vom Wetter ab, ob wir uns dort unten oder im Haus langsam betrinken. Unten haetten wir Gesellschaft, das kann sehr animierend sein. Oben haetten wir diese Supergeburtstagstorte, die wir dann wahrscheinlich schon in 12 Stuecke zerschnitten haben werden; und vielleicht auch schon angeknabbert.
Egal, ob am Wasser oder oben im Haus - wir werden uns betrinken, schoen langsam. Wir werden stottern, pfeifen, singen, laecheln und lachen. Unten mit fremden Leuten; oben nur wir mit uns; vielleicht mit einem Nachbarn, den wir besser kennen; mit denen, die mich anrufen; und mit denen, die ich anrufe. Die erste wird meine Mutter sein. Aber vielleicht ist sie jetzt schon zu mir unterwegs, um mich zu ueberraschen.
twoblogs - 7. Mai, 12:41
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