Puppie im Zwielicht

Meine geliebte Puppie konnte ich leider nicht nach Montreux mitnehmen, ein Geschenk zu meinem 30. Geburtstag von Alfons. Er machte damals auch eine Reihe von Fotos mir mit ihr. Hier nur ein wenig veraenderter Gesichtsausschnitt, den ich mir immer wieder anschaue.
Zuhause habe ich Puppie als Ablage fuer meine Waesche, aber manchmal fuer Jacken, Hosen, Guertel etc. benuetzt, sie dafuer sozusagen missbraucht. Denn am schoensten ist sie natuerlich nackt! Sie ist sogar etwas groesser als ich. Ihre Hautfarbe wirkt sehr natuerlich, mit ein wenig Braunton.
Ihr Kopf und ihr Rumpf bilden eine Einheit. Dann kommt ein wohlgeformter, beispielhaft schmaler Unterleib mit dem rechten Bein, auf dem sie steht; damit ist sie auch auf einer kreisrunden Metallplatte befestigt. Das linke Bein ist in halber Oberschenkelhoehe abnehmbar und beruehrt nur mit den Zehenspitzen den Boden.
Und – stellen Sie sich das einmal plastisch vor - die Arme sind an den Schultern einzuhaengen. Das Problem ist, dass der rechte Oberarm nicht so recht hineinpasst. Er stammt von einer anderen Puppe, was Alfons als Betrug bezeichnet hat. Er hat sie allerdings in diesem Zustand gekauft und beim privaten Verkaeufer abgeholt. Ob er sie im zerlegten Zustand uebernommen hat, weiss ich nicht.
Das rechte Armstueck reicht beinahe bis zur Handwurzel und erscheint – im Vergleich zum linken - duenner. Der linke Arm besteht erstaunlicherweise aus drei Teilen. Er ist etwas angehoben; die Hand ist schmal, die Fingerhaltung grazioes. Die Rechte wirkt dagegen etwas plump. Sehr fasziniert haben mich immer Puppies langer Hals, ihr erhobenes Kinn und ihr scharfer unausweichlicher Blick.
Als ich auf das Foto schaute, dachte ich voller Sehnsucht an meine Puppie. Sie ist wie die erstarrte, viel schoenere Doppelgaengerin, von der ich manchmal traeume. Sie verfuegt ueber das Potential, vertraute Vorstellungen zu bestaetigen und zugleich in Frage zu stellen.
Im Traum wirft sie manchmal keinen Schatten, erscheint aber trotzdem deutlich modelliert. Sie bewegt sich nur unmerklich, sodass es anstrengend ist, sie dabei zu ertappen. Sehe ich einen Moment lang nicht hin, steht oder sitzt sie schon ein wenig veraendert da, und ich frage mich: Wie konnte es passieren, dass ich dass nicht bemerkt habe?
Obwohl sie meine Doppelgaengerin ist, will sie mir sichtlich ein Schnippchen schlagen oder mich hinters Licht fuehren. Sie will mir zeigen, dass ich sie nicht immer und ueberall beherrschen kann. Sie fuehrt mir staendig vor, wie schoen mein echter Koerper haette sein koennen; und auch, wie er nicht geworden ist und auch nie sein wird – alterslos.
twoblogs - 4. Apr, 12:27
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