Donnerstag, 14. Februar 2008

Das ganze Alphabet in Weiss

W-2008-01-24-das-weisse-A-aus-paris

In Paris habe ich vor zwei Jahren das ganze Alphabet, in Weiss, gefunden, und zwar auf einer Baustelle beim Place du Panthéon. Die Buchstaben waren etwa 18 cm gross, aus Styropor und vorne mit einem haarigen Kunststoffschicht überzogen. Sie griffen sich vorn weich und zottelig an, hatten somit auch etwas Tierhaftes an sich.

Wie Sie sehen, klebt das A auf einem Bücherregal. Ich habe damals nur A bis E mitnehmen können; mehr hat in den Plastiksack nicht hineingepasst. Hierher habe ich nur das A mitgebracht.

Es erinnert mich an zwei Wochen Paris, meine Streifzüge durch das "literarische" Paris, also zu Häusern, in denen Schriftsteller und Dichter gewohnt und gearbeitet haben. Das wäre eine lange Liste.

Ich nenne jetzt nur Marguerite Duras, die mit ihrem Mann mehr als 50 Jahre lang in der Rue Saint-Benoit No. 5 gelebt hat, nur wenige Schritte von den beiden Intellektuellentreffpunkten "Café de Flore" und "Les Deux Magots" entfernt. Dort sass ich einmal mehr als zwei Stunden, betrachtete das Verhalten der Kellner und Gäste, auch das Treiben auf der Strasse und notierte meine Beobachtungen in ein rotes Notizbuch. (Alle meine Notizbücher, die ich unterwegs benütze, sind rot und klein wie Taschenkalender.)

Gegenüber der Wohnung der Duras befindet sich ihr Stammlokal, das "Restaurant du Petit Saint-Benoit", in dem ich Fotos von ihr auf der Kaffeehausterrasse gesehen habe. Sie hatte dort ihren Tisch, schrieb ihre Bestellungen auf die Papiertischdecke und nahm sich ihre Serviette aus einer numerierten Lade an der Wand, wie mir der Besitzer verriet. War sie des Lebens in Paris überdrüssig, fuhr sie ans Meer zu ihrer Zweitwohnung im Seebad Trouville. Dorthin bin ich noch nicht gekommen. Das werde ich wohl noch nachholen. Aber ich habe ihr Grab auf dem Friedhof Montparnasse besucht.

Dieses A finde ich faszinierend, obwohl es ja in Wirklichkeit weniger dramatisch aussieht. Da bleibt jedenfalls alles im Weissbereich, während sich jetzt auf dem Bild sechs kirchenfensterartige Einblicke auftun.

Zugleich denke ich dabei aber auch an das Fell eines Hundes, an blanke Stellen darin, als hätte es einen Kampf gegeben. Der Hund der Dr. G., den sie meistens mit sich in die Arbeit nach Bern mitnimmt, hat ein feines geflecktes Fell und keinerlei Verletzungen.

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http://twoblogs.twoday.net/stories/4685525/modTrackback

RokkerMur - 14. Feb, 21:52

Ein Horror "A" ;)

twoblogs - 14. Feb, 22:10

Mit dem A fängt ja der Horror an! ;-) (Adam, Atom...)
RokkerMur - 15. Feb, 04:37

Adam ?
Lassens den in Ruh !
Schuld war die Eva mit ihrer Obstsalatgier ;)
Webcat72 - 15. Feb, 09:07

jooohh, und dann hatten die armen Männer den Salat gleich mit, gell? (*Mitleid*,)
RokkerMur - 16. Feb, 05:14

Entschuldigung Webcat72
Ich hatte keine Ahnung das sie hier lesen ;)
Anousch O. - 14. Feb, 22:59

... Audrii, Anousch ...

twoblogs - 15. Feb, 01:17

Aber, Anousch, am Anfang abenteuert alles...
Webcat72 - 15. Feb, 09:06

...inspiriert zu "the letters" (2007) statt "the birds" (1963) ,) .. und das mit Drehort Paris. Hätte etwas !! / hätte viel ,)

twoblogs - 15. Feb, 12:57

Wollen wir Hrn. Hitchcock doch dort ruhen lassen, wo er es gern tut - unter Vögeln. Aber "Letters" (2008) hätte was, ja! 'Vielen Dank!
books and more - 15. Feb, 22:03

Ich finde es generell faszinierend, wenn Schrift oder Sprache oder Zeichen zum 'Objekt' wird, z.B. auch in Form alter Buchstaben- oder Zahlenstempel vom Flohmarkt. Auf einem alten Bahngleis, das ich gezielt 'suchend' entlanging wie anderswo den Strand, habe ich einmal ein schönes rostiges 'E' aus Metallblech gefunden (ca. 2 mm dick, ca. 20 x 10 cm). Natürlich sofort eingesackt :-)

twoblogs - 15. Feb, 22:39

Und ich werde einige von den "eingesackten" - alles Diebsgut! - vielleicht bald auspacken! Vorfreude ist etwas Schönes.
Cara (anonym) - 4. Apr, 17:10

c'est pas vrai!

Sie haben in Paris Buchstaben geklaut und Keiner hat es gemerkt?
Unter dem Schutz welcher Göttin stehen Sie eigentlich?

Chapeau, sage ich, mit Respekt und ein wenig Bedauern, daß wir uns dortselbst verpasst haben, in Paris.
Die Friedhöfe sind ja leider meist keine Orte der Stille mehr, nur selten kann man beispielsweise bei Oscar Wilde in Ruhe ein wenig Zwiesprache halten.

Haben Sie übrigens auch was zum Buchstaben - V - ?
Ich empfehle den alten Friedhof in Varengeville-sur-Mer.
Unglaubliche Atmosphäre da.
Bei mir übrigens unter "R" näher beschrieben ;)
http://grundwortamt.wordpress.com/2008/03/13/r-wie/

Falls wir uns kennen, aus diesem oder einem anderen Leben, klären Sie mich doch bitte auf, liebe Audrii.

Herzlichst
Cara

twoblogs - 6. Apr, 12:47

Liebe Cara –
nur von A bis E, einfach so; es war Abfall, die Buchstaben steckten in mehreren Plastiksäcken, einen hab ich mitgenommen.
Zum Buchstaben V finden Sie hier meinen Beitrag: http://twoblogs.twoday.net/?day=20080227.
Danke fuer den Hinweis auf Ihr R; hier wird es auch noch irgendwann drankommen.
Wilde starb an den Folgen einer Hirnhautentzuendung am 30. November 1900 im „Hotel d' Alsace“, jetzt „L’ Hotel“, 13 rue des Beaux Arts; ich war dort und hab auch Fotos gemacht.
Ich war auch im Cimetière du Père Lachaise, und zwar zu einem Zeitpunkt, wo mich niemand gestoert hat. Der Grabstein ein ungewoehnlich grosser Stein, aus dem ein ziemlich unfoermi-ger Engel gehauen wurde. Die Erklaerung, warum sein Penis fehlt: „Oscar Wilde's tomb is topped with a very strong sculpture by Jacob Epstein that was commissioned by an anonymous donor and vandalized years ago; a prominent penis was broken off, and for a time served the superintendent of the cemetery as an effective paperweight.“
Den Friedhof in Varengeville-sur-Mer kenne ich nicht; aber ich habe mir den Weg dorthin von Paris aus angeschaut.
Was die zufaellige Begegnung betrifft: sie passiert, ich habs selbst mehrmals erlebt. Und woran sollte ich Sie erkennen?

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