Sonntag, 27. Januar 2008

Wie Audrey Sandrock zu ihrem Namen kam

W-2008-01-27-adele-sandrock-blau-rot

Das ist kein Foto meiner Mutter Rosa Sandler, sondern der Schauspielerin Adele Sandrock. Ich finde, die Farben würden auch zu meiner Mutter gut passen, denn sie hat Rot, Blau, Türkis, Braun und Graubraun gern. Beim Stricken nimmt sie häufig diese Farben.

Ausser von ihrer Pension lebt sie noch von der Vermietung von Zimmern auf ihrem Hof, nicht nur an Radfahrer, die am Donauradweg von Passau herunterkommen, sondern an Stammgäste aus ganze Deutschland. Sie hat damit viel Arbeit, aber auch viel Kontakt mit fremden Menschen. Aber auch die dort wohnenden Verwandten und Nachbarn kommen und gehen und helfen ihr. Es ist also keineswegs so, dass sie allein und verlassen am Rand ihres Dorfes lebt, das vor Jahren der naheliegenden Kleinstadt eingemeindet worden war.

Meine Mutter war zweimal verheiratet, was am Land eher selten ist. Man lässt sich scheiden, aber man heiratet nicht wieder. Sie wollte aber nicht in „wilder Ehe“ leben. Deshalb hat sie meinen Vater geheiratet, eben jenen Helmut Sandler, den sie während eines Kuraufenthalts kennengelernt hat. Da hat sie als Volksschullehrerin gearbeitet.

Angeblich war mein Vater ihr Kurschatten gewesen, selbst noch verheiratet. So entstand ein romantisches Hin und Her zwischen zwei Orten, 200 km von einander entfernt, aber in der Nähe der Donau liegend. Sie sind einander mit dem Rad entgegengefahren, er von Westen kommend, sie von Osten. Das war Anfang der 70er Jahre; eigentlich 1968/69.

Beide habe ich sehr beleidigt, als ich ihnen sagte, ich würde meinen Namen ändern wollen, indem ich dessen zweite Silbe – nur drei Buchstaben - durch -rock ersetze. Den Familiennamen ändert man nicht, ausser man heiratet! Ihre einhellige Meinung damals.

Meine Motivation war für sie also unverständlich, wenn nicht sogar lächerlich: ich hatte mich im Zuge meines Studiums mit der Schauspielerin Adele Sandrock eingehend beschäftigt und mich sozusagen in diesen Namen verliebt. Oft nannte ich mich in meinen Träumen: Frl. Sandrock. Oder jemand sprach mich so an.

Aber es war schon vorher meine fixe Idee gewesen, einen anderen Namen anzunehmen, ohne dass da ein Mann ins Spiel kommen musste. Verstärkt hat das noch, dass ich ja sowieso schon mit Audrey hervorstach. Audrii, Hollodri! Sandlerin, du Tandlerin!

Sandrock war schon ein Kompromiss. Ich hätte ja auch einen italienischen nehmen können, Belladonna zum Beispiel; oder amerikanischen (Kennedy); oder gar einen japanischen (Suzuki). In ihren Augen war es jedenfalls eine Verrücktheit. Oder gar eine Schande.

Mir ging es dabei um meine Namenszufriedenheit, die sich ja aus verschiedenen Vorstellungen über die Verbindung von Klang, Bedeutung und Selbstbild zusammensetzt. Eigentlich kenne ich nur wenige Personen in meinem näheren Bekanntenkreis, die mit ihren Namen zufrieden sind. Und Sie?

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dtear - 28. Jan, 13:17

Vergegenwärtigen Sie sich doch, welche Not manche Namen verursachen können.
Mit zunehmendem Antisemitismus war es Anfang des 20. Jahrhunderts für Juden der einfachste Weg, zu einem anderen Namen zu kommen, indem sie sich taufen ließen. In den Gesuchen zeigt sich, was Hausangestellte, Bankbeamte, Lehrer oder Ärzte dazu bewogen hat. Etwa die Angst, mit einem derartigen Namen keinen Arbeitsplatz zu bekommen oder diesen zu verlieren. Daß Eltern ihre Kinder vor den Hänseleien, dem Spott und Hohn ihrer Mitschüler bewahren wollten. Oder daß künftige Schwiegereltern ihre Tochter nicht einem Mann mit einem so bezeichnenden Namen wie Kohn oder Löwy überlassen würden.
Dazu als Beispiel der Bericht eines Beamten der Beamter der Kaiser Ferdinand-Nordbahn:: „Ich habe in meinem Leben wegen meines Namens Emil Rindskopf viel Pein und Schmerz ertragen müssen, mein Fortkommen ist deshalb vielfach gehindert worden. Jeden Tag, jede Stunde wurde ich daran erinnert, daß ich der Sclave meines Namens bin. Wo und wann immer ich meinen Namen nenne oder ein Anderer - und mit wie viel Leuten kommt man in Verkehr und muß man in Verkehr kommen - ihn zu nennen hat, zeigen sich auf den Gesichtszügen der Anderen die Kennzeichen bald des Hohnes, bald des Spottes, bald des Mitleides. Es ist ein förmliches Brandmal, mit dem jemand, der Rindskopf heißt, im Leben herumläuft. Man stelle sich nur die Situation vor, in welche ich gerate, wenn ich sagen muß, 'ich heiße Rindskopf' - oder wenn ein anderer mich mit 'Herr Rindskopf' anredet. Ich habe dieses Brandmal lange genug getragen."
Ich weiß schon, daß der Leidensdruck auch von weniger dramatischen Umständen ausgehen kann. Ich wollte auch nicht Ihre Entscheidung kritisieren, Ihnen aber, weil ich mich gerade damit beschäftige, vor Augen führen: Es gibt gewichtigere Motive, den Familienamen ändern lassen zu wollen.

diefrogg (anonym) - 28. Jan, 15:55

Nie im realen Leben...

wäre mir eingefallen, meinen Namen zu ändern! Weder mit noch ohne Mann. Aber ich tue es in meinem Blogleben tue ich es ab und an - oder überlege es mir jedenfalls!

books and more - 28. Jan, 17:41

Das war jetzt zwar längere Zeit nicht Thema, aber ich erinnere mich gut, dass ich meinen Nachnamen überhaupt nicht mochte, und den Vornamen auch nicht.

Im Zuge der (nicht von mir selbst betriebenen) Ahnenforschung war einmal davon die Rede, dass es einen adligen Zweig der Familie gebe, den Zweig derer 'von Königstein' nämlich, o Wohlklang!, und eventuell wären wir mit denen ... was meine kindliche Phantasie dahingehend anfeuerte, ich sei wahrscheinlich ein sozusagen irrtümlich umbenannter, wenn nicht gar vertauschter ... Jedenfalls war das ein zumindest phonetischer Silberstreif am Horizont, hat sich dann aber im schnöden Karrensand bürgerlichen Alltags verloren.

Nein, wenn Sie mich so direkt fragen: Mir gefallen meine Namen eigentlich nicht. Bin aber hier ja schon in verschiedener Weise umbenannt worden :-)

twoblogs - 29. Jan, 10:10

Den Adel, lieber Bux, gibt es in der Gegend, aus der ich komme, gar nicht, weshalb sich in mir auch keine Aufwertungsphantasien solcher Art entwickelten.
Märchen bewirkten allerdings eine Phase der Prinzessin- und Prinzen-Rollenspiele.
Während des Studiums wurde in meinem Freundeskreis keine adelige Herkunft wahrgenommen. Offiziell werden ja auch keine Titel getragen.
Eine gute Freundin, inzwischen verstorben, verbarg lange Zeit, dass sie ihr Name – von der Vaterseite her - mit einem ungarischen Adelsgeschlecht verband. Eigentlich war sie eine „von ....vich“. Der Großvater war angeblich Milliardär gewesen, der Vater ein verarmter Architekt.
Vor ihrem frühen Tod machte sie eine Reise zu den ehemaligen Schlössern der Familie in Ungarn und Rumänien. Immer wieder beschäftigte sie die Frage, wie weit sie ihre Herkunft ihre Karriere als Schauspielerin beeinflusst hatte; und ob sie diese als Schriftstellerin zum Thema ihres Schreibens machen durfte.
Erst einige Jahre, bevor sie starb, schilderte sie mir ihre weitverzweigten Verwandtschaftsverhältnisse und den familiären Druck, der sich als Selbstzensur äusserte, die sie nicht überwinden konnte. Nach ihrem Tod kamen ihre Manuskripte nicht ins Literatur-, sondern ins Familienarchiv.
PS: Warum mögen Sie Ihre Namen nicht? Ist Albert denn nicht Ihr richtiger Vorname?
wvs - 28. Jan, 17:58

Ich bin ....

mit meinem Namen zufrieden ....
Allerdings:
Nicht mit der Tatsache, daß meine Eltern es versäumt hatten rechtzeitig einen zweiten Vornamen zu wählen - was dazu geführt hat, daß ich als Einziger unter den Geschwistern mit nur einem Vornamen herumlaufen muß ....
Ein schreckliches Schicksal!

twoblogs - 29. Jan, 10:13

Hätten Sie lieber drei oder vier gehabt? Ich kenne Menschen, die auf dem Geburtsschein damit bedacht und doch bei ihrem ersten Vornamen geblieben sind. Empfinden Sie sich deshalb gegenüber den Geschwistern als zurückgestellt?
wvs - 30. Jan, 22:41

Aber ja doch ....

ein lebenslanges Unrecht:
EIN Vorname ....
wenn es doch wenigstens ZWEI gewesen wären ....
michaela1 - 28. Jan, 18:14

Mein Name ist kurz und bündig: Zuzak – nur 2 Silben. 2 Vokale, u-a, 2mal z, am Schluß ein k! Wenn Sie glauben, daß sich die Leute das merken, wenn ich ihn buchstabiere (Zürich-Ulrich-Zürich-Anton-Konrad), von mir aus auch gleich 2- oder 3mal, dann täuschen Sie sich gewaltig.
Das ist keine Krankheit, sondern mein Name, sagte ich einmal, als ich ihn dreimal wiederholen musste, bis er verstanden wurde. Ihn langsam zu sprechen nützt wenig. Das mindeste ist, dass man hinten ein ck schreibt oder Zupack bzw. Zursack daraus macht.
Inzwischen habe ich herausgefunden, dass das ein slawischer Name ist, der in Polen häufig verkommt, aber auch in den Ländern der ehemaligen Monarchie, in Deutschland und auch in Nordamerika.
Zuzak heißt Lutscher, Schnuller, Daumenlutscher, Knutschfleck.
Tina kommt bei mir von Martina; Martin vom lateinische Martinus, zum Mars gehörig, auch kriegerisch. Übersetzt heißt mein Name: der dem Mars gehörende Lutscher. Ich, Mars-Lutscher. Besser: die Mars-Lutscherin!
So stelle ich mich natürlich nicht vor. Auch deshalb nicht, weil ich mir ja noch immer nicht sicher bin, wie man den Namen korrekt ausspricht: Tsutsack, wie ich mich offiziell nenne; oder doch Tsusack oder sogar Susack? Aber vielleicht weiß das eine Person, die auch so heißt wie ich!

twoblogs - 29. Jan, 10:16

Ich kenne niemanden, der so heisst. Aber mit der eingedeutschten Variante haben Sie sicher keine Schwierigkeiten! ;-)
Malte - 28. Jan, 18:33

jedenfalls find ich den Namen ziemlich sexy!

twoblogs - 29. Jan, 10:14

Ja, ich auch, wenn Sie das so sagen. Und was hat das für Folgen?
katiza - 29. Jan, 14:27

Also, wenn Sie schon fragen, Frl. Sandrock, ich bin überaus zufrieden mit meinem Namen, glücklich gar, so glücklich, dass ich ihn auch im heil'gen Ehestand behalten hab...

Rudolf Viktor Joseph Leopold Karl (anonym) - 30. Jan, 12:51

Meine Nichte hat mir Ihr Weblog gezeigt, einige Seiten daraus. Sie fand Ihre Namensfindung witzig. Sie heisst Claudia Bayer, hat aber nichts gegen diesen Namen. Sie meinte aber, meine Name sei zwar gewöhnlich, ich könnte aber etwas Ungewöhnliches dazu zu erzählen. Ja, das stimmt! Aber ich diktiere ihr das jetzt, sie muss schreiben!

Mein vollständiger Name ist Rudolf Viktor Joseph Leopold Karl. Nur fünf Vornamen, und jeder könnte ein Nachname sein.
Der Großvater hieß Rudolf, wurde aber Rudi gerufen. Ich wurde aber bald zu einem Rolf gemacht, was auch als Hundename für Wolfshunde gebräuchlich war. Manchmal rief man mich aber Ralf, weshalb ich dann zwei Rufnamen hatte, die aber eigentlich nichts mit meinem Taufnamen zu tun hatten.
Der Name meines Vaters und mein eigener sind deckungsgleich, wenn ich die Titel weglasse. Weil es bei Rudolf Karl immer wieder zu postalischen Verwechslungen kam, habe ich dem Rudolf noch V hinzugefügt als Abkürzung für Viktor. So passierte es, daß ich von einigen Leuten in den Adelsstand versetzt wurde: Wie geht Ihnen denn, Herr von Karl?
Mein Vater Rudolf Karl hat in seiner Jugend bei Filmen als Komparse mitgewirkt. Zufällig befand sich der später berühmt gewordene Rudolf Carl in der Reihe hinter ihm und sagte den gleichen Namen. Da sagte der Regieassistent: Zwei gleiche Namen, das geht nicht! So kam der Schauspieler zu dem C am Anfang seines Familiennamens. Aber mein Vater wurde trotzdem später häufig gefragt: Sind Sie mit dem Schauspieler verwandt?
„Herr Karl“ gerufen zu werden, ist nicht immer das Angenehmste. Ich werde todsicher mit Qualtingers Herrn Karl in Verbindung gebracht. Aus diesem Grund habe ich im Lauf der Jahre alle Schallplatten Qualtingers bekommen, in der Meinung, das wäre ein besonders originelles Geschenk. Wenn man sich in irgendeiner Situation darüber belustigt hat, habe ich immer ein Qualtinger-Zitat parat gehabt.
Im übrigen sollte ich darauf hinweisen, daß es ein Irrtum ist zu glauben, daß Karl ein urdeutscher Name und von karal, dh Mann oder Ehemann abgeleitet ist. –l ist ja die Verkleinerungsform, Kar-l also ein kleines Kar. Der Karlbauer ist demnach ein Bauer, der seinen Grund neben einem kleinen Kar hatte.
Woher meine Familie wirklich kommt, kann ich aber nicht so weit zurückverfolgen, weil mein Stammbaum nur ins 19. Jh. reicht.

Ich kann aber noch etwas zu Adele Sandrock sagen: fast alle Filme aus den 30er Jahren mit ihr habe ich gesehen, Die Puppenfee, Flitterwochen, Amphyrion...

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