Propriété privée...

Zu Puppie ein Gegenbild – der Kopf eines Pueppchen, das ich am Lac Leman gefunden habe, im Sommer vorigen Jahrs. Ich lief auf dem Weg im Waeldchen bei der Rhonemuendung und kam zu einem Wegweiser: nach links „LES GRANGETTES“*); nach rechts „PROPRIÉTÉ/PRIVÉE/ PASSAGE/INTERDIT/ATTENTION/CHIEN“. Alles schon ziemlich morsch, die Schrift schlecht leserlich. Der Boden morastig, ich musste aufpassen. Am Ufer erblickte ich bald dieses Pueppchen, inmitten von Schwemmgut.
En face kommt auch das Profil deutlich hervor, ein Effekt, der durch den Tritt einer unbekannten Person entstanden sein mag.
Dieses Pueppchen waere frueher nicht mein Fall gewesen, kein Spielzeug fuer mich – die Augen zu gross und traurig; das Gesicht zu breit und blass; die Haare zu fein und wirr.
Ich hab es aus Neugier und Mitleid aufgelesen. Auch weil mich es an diesen besonderen Ort erinnert, an die vibrierende gewittertraechtige Stimmung, die damals geherrscht hat; und auch an meine schoenen Barbies, von denen ich manchmal dachte, sie waeren meine Kinder. Sie hatten Namen - Francis, Linda und Michelle.
Aber meine Puppie ist nicht aus mir gewachsen, obwohl sie meine Doppelgaengerin ist, auch aus der Ferne betrachtet. Ohne Zweifel waere ich dazu faehig gewesen, sowohl zum einen als auch zum andern: dass meine Doubles in mir heranwachsen; und dann aus mir herauswachsen als mein eigenes Fleisch und Blut; aber auch dazu, dass ich mir meine Doubles selbst herstelle, wenn ich mir die entsprechenden Kenntnisse angeeignet habe, aus den passenden Materialien: Gips, Ton, Holz, Metall.
Das alles wuerde ich nicht brauchen, wuerden mir solche "out-of-body"-Erlebnisse gelingen, ohne davon erschreckt zu werden:
"An dem betreffenden Morgen wachte A. mit einem seltsamen Gefuehl auf. Als sie sich umdrehte, sah sie sich selbst noch im Bett liegen. Sie wurde aergerlich über »diese Person, von der ich wusste, dass sie ich selbst war, und die durch ihr Verhalten riskierte, dass ich zu spät zur Arbeit kommen wuerde«. Sie versuchte, den Koerper im Bett aufzuwecken - zuerst, indem sie ihn anrief; dann, indem sie ihn schuettelte und schliesslich, indem sie wiederholt auf ihrem anderen Ich im Bett umhersprang. Der liegende Körper zeigte keine Reaktion. Erst in diesem Moment wurde sich die Betroffene über ihre eigene Doppel-Existenz bewusst und war zunehmend verwirrt über die seltsame Unsicherheit, wer von den beiden nun sie selbst war. Mehrere Male sprang ihr Bewusstsein zwischen jenem Koerper, der aufrecht stand und jenem, der im Bett lag, hin und her und ihre einzige Absicht war es, wieder eine Person zu werden; waehrend sie aus dem Fenster schaute (von wo aus sie ihren Koerper noch immer im Bett liegen sah), entschied sie ploetzlich, aufzuspringen, »um dieses unertraegliche Gefühl, in zwei gespalten zu sein, zu stoppen«. Zur gleichen Zeit hoffte sie, »dass diese letzte verzweifelte Tat die Andere im Bett aufschuettelt und so endlich dazu draengt, sich wieder mit mir zu vereinigen«" **).
*) http://www.pronatura.ch/vd/imgs/grangettes.jpg
http://www.pronatura.ch/vd/imgs/dechets.jpg
**) Illusory reduplication of one's own body: phenomenology and classification of autoscopic phenomena, Cognitive Neuropsychiatry, 1997, 2 (1), 19 - 38, P. Brugger and M. Regard;
Heautoscopy, epilepsy, and suicide, Journal of Neurology, Neurosurgery and Psychiatry, 57, 838-839, 1994, Brugger, P., Agosti, R., Regard, M., Wieser, H-G., Landis,T.
twoblogs - 7. Apr, 11:15
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