Wie Audrey Sandrock zu ihrem Namen kam

Das ist kein Foto meiner Mutter Rosa Sandler, sondern der Schauspielerin Adele Sandrock. Ich finde, die Farben würden auch zu meiner Mutter gut passen, denn sie hat Rot, Blau, Türkis, Braun und Graubraun gern. Beim Stricken nimmt sie häufig diese Farben.
Ausser von ihrer Pension lebt sie noch von der Vermietung von Zimmern auf ihrem Hof, nicht nur an Radfahrer, die am Donauradweg von Passau herunterkommen, sondern an Stammgäste aus ganze Deutschland. Sie hat damit viel Arbeit, aber auch viel Kontakt mit fremden Menschen. Aber auch die dort wohnenden Verwandten und Nachbarn kommen und gehen und helfen ihr. Es ist also keineswegs so, dass sie allein und verlassen am Rand ihres Dorfes lebt, das vor Jahren der naheliegenden Kleinstadt eingemeindet worden war.
Meine Mutter war zweimal verheiratet, was am Land eher selten ist. Man lässt sich scheiden, aber man heiratet nicht wieder. Sie wollte aber nicht in „wilder Ehe“ leben. Deshalb hat sie meinen Vater geheiratet, eben jenen Helmut Sandler, den sie während eines Kuraufenthalts kennengelernt hat. Da hat sie als Volksschullehrerin gearbeitet.
Angeblich war mein Vater ihr Kurschatten gewesen, selbst noch verheiratet. So entstand ein romantisches Hin und Her zwischen zwei Orten, 200 km von einander entfernt, aber in der Nähe der Donau liegend. Sie sind einander mit dem Rad entgegengefahren, er von Westen kommend, sie von Osten. Das war Anfang der 70er Jahre; eigentlich 1968/69.
Beide habe ich sehr beleidigt, als ich ihnen sagte, ich würde meinen Namen ändern wollen, indem ich dessen zweite Silbe – nur drei Buchstaben - durch -rock ersetze. Den Familiennamen ändert man nicht, ausser man heiratet! Ihre einhellige Meinung damals.
Meine Motivation war für sie also unverständlich, wenn nicht sogar lächerlich: ich hatte mich im Zuge meines Studiums mit der Schauspielerin Adele Sandrock eingehend beschäftigt und mich sozusagen in diesen Namen verliebt. Oft nannte ich mich in meinen Träumen: Frl. Sandrock. Oder jemand sprach mich so an.
Aber es war schon vorher meine fixe Idee gewesen, einen anderen Namen anzunehmen, ohne dass da ein Mann ins Spiel kommen musste. Verstärkt hat das noch, dass ich ja sowieso schon mit Audrey hervorstach. Audrii, Hollodri! Sandlerin, du Tandlerin!
Sandrock war schon ein Kompromiss. Ich hätte ja auch einen italienischen nehmen können, Belladonna zum Beispiel; oder amerikanischen (Kennedy); oder gar einen japanischen (Suzuki). In ihren Augen war es jedenfalls eine Verrücktheit. Oder gar eine Schande.
Mir ging es dabei um meine Namenszufriedenheit, die sich ja aus verschiedenen Vorstellungen über die Verbindung von Klang, Bedeutung und Selbstbild zusammensetzt. Eigentlich kenne ich nur wenige Personen in meinem näheren Bekanntenkreis, die mit ihren Namen zufrieden sind. Und Sie?
twoblogs - 27. Jan, 13:33
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