Montag, 12. Mai 2008

Alfons und sein unfolgsamer Daumen

W-2008-05-05-alfons-hand-abguss-04

Ich hab Alfons nicht dazu angehalten, seine Rechte auf diese Weise zu verunstalten. Originell daran ist, dass dabei ja von innen – dem Innern der Faust – etwas herauskommt, was tatsaechlich wie ein Finger ausschaut. Demnach muss es wohl auch sein Daumen gewesen sein, der da den Durchbruch geschafft hat.

Schwierig ist es jetzt fuer mich weiterzuschreiben. Einerseits hat das Bild – das ja nur eines der Fotos ist, das ich von den vielen Gipsabguessen seiner Haende gemacht habe – eine gewissermassen magnetische Wirkung. Sie schauen ja genauso wenig wie ich auf den Knoechel des Zeigefingers, der hier ja extrem kraeftig heraustritt. Ich wuesste von keinem Mann, den ich naeher kennenlernen durfte, zu sagen, ob sein Knoechel sich auch so knochig - und widerstandfaehig - zeigen wuerde.

Andererseits denke ich an aufbrechende Knospen. Bei der Erinnerung an den bereits vergangenen Fruehling faellt mir zuerst meine Freude beim Anblick von Knospen ein, egal an welchem Gewaechs. Ich sag das so: ein Zweig voller Knospen bedeutet freudige Erwartung. Die Frage ist, was schoener ist: dieser und der bereits voll erbluehte.

Und jetzt – Sie glauben das vielleicht nicht – komme ich zum Kirschbluetenfest. Dahinter steckt die Frage, warum es in unserer Kultur nicht moeglich ist, einen natuerlichen Vorgang zu feiern. Wir koennten ja die Apfel-, Birnen- oder Marillenbluete feiern. Wir koennten auch ein Maigloeckchenfest veranstalten, ein Fest der fliegenden Birkensamen usw. Wir koennten uns auch an den Bienen begeistern, also die erste Biene zum Anlass nehmen, uns an Honig guetlich zu tun, oeffentlich natuerlich.

Seltsam – die Hand von Alfons erscheint mir honigfarben. Honig ist suess und harmlos. Allerdings lockt er Baeren an. Sind Sie ein solcher? Dann reichen Sie ihm doch die Hand, dem fernen Herrn in seinem abgusstraechtigen Institut!

Freitag, 9. Mai 2008

If you want peace of mind, come to ...

W-2008-05-03-montreux-freddie-mercury-01

Wenn Sie an Freddies Statue vorbei in der Grand Rue weiter zum Marktplatz hinaufgehen, kommen Sie zum Bazar Suisse. Da gibt es alle möglichen Mercury-Andenken: eine ca. 40 cm grosse Epoxy-Replik von seiner Statue am See; Posters, Goldkettchen, Sticker, Caps, T-Shirts etc. Ich habe eines mit der Aufschrift: If you want peace of mind, come to Montreux.

Die Mountain Studios, in denen hier Teile von Hot Space, A kind of Magic, The Miracle, Innuendo und Made in Heaven aufgenommen wurden, liegen gleich um die Ecke im Casinogebaeude. Die Raeume sind leer, schauen verlottert aus. Sie sollen renoviert werden. Die Firma ist nach Attalans umgezogen. Die Eingangstuer und die Mauern rechts und links sind voller Kritzeleien und Zeichnungen der Fans.

Mother Mercury, look what they’ve done to me, I cannot run I cannot hide.

Ich las unlaengst: „Ich liebe es, das zu hören, aber gleichzeitig schmerzt es mich und schnürt mir die Kehle zu.“

Voriges Jahr war der Freddie Mercury’s Montreux Memorial Day am ersten Sonntag im September. Heuer findet er erst am 6. November statt.

Manchmal laufe ich nach Clarens. Es ist an die 4 km von unserm Haus entfernt. In Clarens befindet sich das Lakehouse, das auf dem Made in Heaven-Cover zu sehen ist. Meist gehts dann noch ein Stueck weiter, am Quai des Villas du Bochet. Und um die Ecke dem Chemin d’Ile de Salagnon entlang, bis zur Rue die Lac.

Zurueck dieselbe Strecke, wieder an der Statue vorbei. Manchmal umrunde ich sie ein paar Mal; dann bin ich auch auf den Fotos von irgendwelchen Fremden drauf.

My fairy king can see things he rules the air and turns the tides
That are not there for you and me ohh yeah he guides the winds...

Eine andere Route entlang dem Lac fuehrt mich auf dem Quai bis nach Territet. Dort ist Schluss, wenn ich die Strasse vermeiden will. Dh nicht immer habe ich Lust, dort unter der Autobahn hindurch und dann bergauf zu traben.

Und hier noch Under Pressure fuer Edith, die mit Queen mehr verbindet als mich. (Vielleicht auch ein Staendchen fuer Booky.)

Mittwoch, 7. Mai 2008

Swisspatat-Alzheimer-Dialog

W-2008-04-30-swissspatat-desiree-01

Edith: Dieses Jahr entzuenden wir aber nur eine Kerze.
Audrey: Warum denn das?
Edith: Weil ich sonst wieder so viele nachkaufen muss.
Audrey: Aber geh, Ditta, sonst hast du doch immer...
Edith: Nein, heuer nicht, Amandine. Ich kann ja auch sehr vernuenftig sein.
Audrey: Charlotte, du musst endlich lernen, dich zu vergeuden.
Edith: Was soll das heissen, Juliette? Hab ich nicht schon so viele Jahre vergeudet?
Audrey: Ja, was heisst das, Désirée? Du haettest nichts, aber schon gar nichts gelernt?
Edith: Je aelter ich werde, Agata, desto mehr schwindet mein Wissen. Bald ist es so weit, dass ich alles vergessen habe.
Audrey: In deinem Jahrzehnt, Lady Christl, vergisst dich doch der Alzheimer noch.
Edith: Ja, und warum faerbe ich mir die Haare schwarz, Laura?
Audrey: Damit der Kelch – welcher auch immer gemeint ist – an dir voruebergeht Lady Felicia .
Edith: Diesen hier hier allerdings, den nehm ich morgen in die Hand, und wir dann stossen dann an – auf deinen naechsten runden Geburtstag!

Und was, glauben Sie, ist das Schoenste? Wie schon vergangenes Jahr werden wir uns ans Seeufer begeben – am Casino vorbei hinunter zur Promenade und an der entlang, bis wir Freddie stehen sehen. Ich war schon einmal bei Regen dort, und ich fragte mich: Weint er? Oder schwitzt er? Ich entschied mich fuers Schwitzen! Jedenfalls leidet er nicht. Wie damals liegen viele Blumen dort, Zettel und Fotos.

Es haengt vom Wetter ab, ob wir uns dort unten oder im Haus langsam betrinken. Unten haetten wir Gesellschaft, das kann sehr animierend sein. Oben haetten wir diese Supergeburtstagstorte, die wir dann wahrscheinlich schon in 12 Stuecke zerschnitten haben werden; und vielleicht auch schon angeknabbert.

Egal, ob am Wasser oder oben im Haus - wir werden uns betrinken, schoen langsam. Wir werden stottern, pfeifen, singen, laecheln und lachen. Unten mit fremden Leuten; oben nur wir mit uns; vielleicht mit einem Nachbarn, den wir besser kennen; mit denen, die mich anrufen; und mit denen, die ich anrufe. Die erste wird meine Mutter sein. Aber vielleicht ist sie jetzt schon zu mir unterwegs, um mich zu ueberraschen.

Sonntag, 4. Mai 2008

So feiern wir hier Geburtstag!

W-2008-04-07-geburtstagstorte-edith-01

In ein paar Tagen werden wir Geburtstag feiern. Konkret: gemeint bin ich. Dazu eine runde gestaffelte Kerzenstufenpyramide, die nichts Genaueres verraet – nicht, wann ich geboren bin, nicht, wann Edith geboren ist; nicht, wann meine Mutter, mein Vater etc. geboren sind. Es ist also eine Geburtstagstorte fuer mich, aber fuer auch Edith, fuer alle meine vergangenen und gegenwaertigen Liebsten; und - wenn Sie wollen – auch fuer die ungeborenen Kinder; und natuerlich auch fuer Sie!

Doch daran sollten Sie denken: dass so viele Geburten nahe gelegen waren, aber nicht passiert sind. Dass so oft eine Geburtsmoeglichkeit gedacht worden war. Dass diese jedoch jedes Mal durch die ueblichen – oder auch unueblichen - Verhinderungsmoeglichkeiten verhindert wurde. Oft war es ja nur ein Zufall, nicht einmal ein dummer. Angesichts der vielen ungluecklichen, mit ihrem Leben, dem sog. Schicksal Unzufriedenen, sogar ein intelligenter.

Also gedenken Sie mit mir derer, die nur als Gedanke, als momentaner Wunsch, als Sehnsucht nach Beruehrung, als Erinnerung an schoene Augenblicke in der eigenen Kindheit, vielleicht verbunden mit dem Wunsch, das noch einmal zu erleben, das Licht der Welt erblickt haben – und verbunden mit der Erkenntnis, dass das nur in der Phantasie moeglich war.

Ja, ich werde diese Geburtstagstorte wie jedes Jahr in muehevoller Handarbeit selbst herstellen. Ich wuesste aber jetzt nicht zu sagen, wie viele Kerzchen da wirklich Platz haben - sicherlich mehr als 500. Sehen Sie: so fassen sich die Jahre, die gelebten und die noch vielleicht lebbaren (bei der derzeitigen Lebenserwartung noch sehr viele), auf diesem Teigrondeau zusammen.

Freitag, 2. Mai 2008

Jacqueline

W-2008-04-30-hanzi-explorer-01

Ich hatte vor einigen Jahren eine chinesische Freundin. Sie heisst Zhang Lin, Lin ist der Vorname. Sie nannte sich spasshalber Jacqueline. Ich war immer geruehrt, wenn sie mit ihrem Kugelschreiber einen Brief schrieb. Wie schnell sie ein Zeichen neben das andere setzen konnte! Wenn sie etwas in Lateinschrift schrieb, malte sie oft die Buchstaben vorher in die Luft; eigentlich das Wort oder den ganzen Satz. Nicht so oft, vielleicht nur Woerter, bei denen sie sich vergewissern wollte, wie man sie schreibt.

Ich war in jeder Hinsicht von Lin fasziniert: von ihren dichten schwarzen Haaren, ihren schraegen rabenschwarzen Augen; von ihrem Blick, der so oft schraeg und blitzend aus ihren Augen kam; von ihrer blassen makellosen Haut, die aber an manchen Stellen sehr empfindlich war, besonders um den Mund herum. Deshalb war sie dann auch schnell geroetet, wenn ich sie dort beruehrte, auch nur mit dem Finger.

Sie war gerade in einer sehr schwierigen Situation, denn sie wollte nicht mehr mit ihrem Mann zusammenleben. Er arbeitete am Physikalischen Institut, waehrend sie noch an ihrer Dissertation schrieb. In dieser Uebergangsphase wollte sie Geld fuer spaeter verdienen und nahm jede Arbeit an. Meist landete sie voellig unterbezahlt in einem Chinarestaurant.

Einmal ging ich in ein solches essen. Sie war nicht erfreut, sie wollte mich gar nicht kennen. Danach erklaerte sie mir, dass das ein Fauxpas von mir gewesen sei, sie hatte mich ja nicht eingeladen, sondern nur den Namen des Lokals genannt. Sie fand, sie habe ihr Gesicht vor mir verloren. Davon war unsere vorher tiefe Freundschaft gestoert.

Ich kann ungefaehr auswendig, was sie mir damals geschrieben hat:

Mein Herz ist ganz zerbrochen. Ich brauche deinen Trost, wenn ich mich geistig so leer fuehle wie jetzt. Ich bewundere deine Ehrlichkeit, deine Intelligenz und deinen Fleiss. Ich betrachte dich als meine innigste Freundin. Leider sprechen wir verschiedene Sprachen. Deshalb kommt es immer wieder zu Missverstaendnissen.

Ich habe oft extreme Wuensche. Aber ich kann dir nur wenig ueber meine Gefuehle und Gedanken erzaehlen oder schreiben. Ich frage mich oft, warum mir das Leben so sensible Nerven gegeben hat. Warum es keine Gerechtigkeit gibt. Warum die Menschen so grausam sind. Ich wuerde lieber einen dummen Kopf haben als einen so feinfuehligen. Im Moment habe ich meine Zuversicht verloren. Ich will weder lieben noch hassen, sondern gefuehllos sein. Ich will Ruhe finden. Ich will wieder meinen Willen staerken und meinen Charakter festigen.

Ich muss weinen, wenn ich an sie denke!

(Siehe dazu: http://twoblogs.twoday.net/stories/4863352/#comments)

Montag, 28. April 2008

Tut tas tieser Tame nicht weh?

W-2008-03-25-T-2003-08-a

Nein, nichts tut jener und dieser weh. Die bilden nur ein T. Sie haben sich wohl ganz freiwillig ins Gras gelegt. Sie reden aber nicht miteinander, sondern schauen so vor sich hin, damit sie nicht zu identifizieren sind. Sie bilden eine weibliches T; deshalb habe ich dieses Foto gewaehlt.

Mein erster Gedanke war, ob ich mich so mit Edith hier vor dem Haus ins Gras legen wuerde. Antwort: nein! Warum nicht? Weil zumindest von dem einen Nachbarn her die Wiese einsichtig ist. Ausserdem ist nicht auszuschliessen, dass sich jemand im Gebuesch oder hinter den Baeumen verbirgt.

Und wenn Sie mich fragen, ob ich denn so schuechtern etc. sei, antworte ich Ihnen: Nein. Oder auch: ja, denn das haengt von den Umstaenden ab. Nacktheit um jeden Preis ist nicht mein Ding. Wir wohnen nur hier; wir haben nicht sehr viel Kontakt; wir koennen nicht abschaetzen, ob unsere Freizuegigkeit positiv aufgenommen werden wuerde oder nicht. Wir kennen die Feinheiten der Sprache nicht.

In meiner Universitaetsstadt waere das kein Problem. Es gab eine Zeit, da war es Mode, oben ohne auch an den Ufern neben den Strassen herumzustolzieren. Sich sozusagen den Autofahrern als Augenweide vorzufuehren; eigentlich ihnen zu zeigen, was ihnen entgeht dadurch, dass sie sich nicht gleich hier am Wasser niederlassen, sondern gaffend vorbeiflutschen.

Hier in Gegend scheint am See auf der franzoesischen Seite offener gehandhabt zu werden. Nördlich von Thonon-les-Bains wird ganz ohne gebadet. Bei Lausanne gibt’s ein „Naturisten-Camping“ etc.

Ist das Thema nun Theorie und Praxis? In der Praxis lege ich mich, wenn mir danach ist, nackt auf die Terrasse. Manchmal ist mir auch danach, kein Hoeschen anzuziehen – dann ziehe ich auch keines an. Das faellt nicht auf. Denn bei wechselhaften Temperaturen trage ich meist eine Strumpfhose. Meine exhibitionistischen Neigungen lebe ich sowieso nur in der Phantasie aus, also auch in der Theorie. Was wiederum nichts mit Pruederie zu tun hat, sondern mit den Interferenzen von Scham und Neugier.

(In diesem Text kommen 95 T vor, auch Symbol eines kontaktierenden Frauenpaars; aber 160 I, stellvertretend fuer einzelne, freibewegliche, autonom entscheidende Frauen.)

Samstag, 26. April 2008

Dreadlocks - that's not half bad!

W-2008-04-25-duenne-rastas-02

Meine Haare sind derzeit blond, glatt und halblang. Aber ich hatte schon einmal Dreadlocks, einige Monate. Ich habe sogar nachts eine Haube getragen, damit sie nicht so wegstehen. Daran hat mich der Traum von weltentanz erinnert.

Ein Foto von mir in einer Zeitung gab es nie. Hmmm! Ach nein, so stimmt das nicht, ich blende da wohl etwas aus!

Es freut mich, dass das Traum-Bild nicht so konkret ist, weil Traeume ja nicht Fotografien ersetzen. Schoen finde ich bei Weltentanz den Uebergang zu Audrey Hepburn. Das erinnert mich daran, dass ich vor einiger Zeit wieder einmal „Fruehstueck bei Tiffany“ gesehen habe. Dabei machte ich Fotos, die mir sehr ans Herz gehen, wenn ich sie betrachte. Das bewirkt ihre unerreichbare, makellos erscheinende Schoenheit.

Mir gefaellt auch die Vorstellung der Verwandlung im Traum – dass sich bei „einigem Hinschauen“ das eine aus dem anderen ergibt, und das noch dazu in „kaum wahrnehmbaren pastelligen Tönen und feinen Strukturen.“ Das erzeugt in mir ein Wohlgefuehl, genauso, als wenn ich hinter einem zarten Vorhang stuende, der sich im Wind bauscht und hin- und herbewegt und damit das Dahinterliegende in einem nicht vorhersehbarem Rhythmus neu gestaltet.

Das macht mich auf mehr oder minder feinen Schwankungen des Pulses aufmerksam. Ich weiss nicht, ob Sie das kennen: in gewissen Positionen und bei bestimmten Lichtverhaeltnissen kann ich dessen Auf und Ab auf der Innenseite der Lider mitverfolgen.

Manchmal, wenn ich mich sehr gestresst fuehle, weil mir schon wieder einmal einen Termin zu knapp wird, spuere ich ein Stolpern; manchmal sogar als eine Art Dauerzustand. Im Stress, wenn ich zu wenig schlafe, zu frueh aufwache, wenn ich glaube, ich haette eigentlich gar nicht richtig geschlafen, dann passiert so etwas – Herzunruhe. Die verschwindet aber wieder, ich sollte darauf nicht achten.

Eigentlich wollte ich ja noch etwas zum Thema „Coole Haare“ schreiben. Ich finde meine Frisur derzeit ziemlich uncool! Deshalb habe ich mich bezueglich Trendfrisuren kundig gemacht.

Den Anstoss dazu kam vor einigen Tagen Fraenk, mit seiner Ankuendigung, er lasse sich beatkoteletten wachsen.

Derzeit schwanke zwischen Asialook, School's Out und Ponykontur. Wir kennen eine Friseuse, die ins Haus; die wuerde das schon hinkriegen.

PS: Ganz vergessen habe ich jetzt auf das schoene Maerchen, an das ich bei der ersten Lektuere des Traums dachte: das von den drei goldenen Haaren.

Mittwoch, 23. April 2008

Erster Abguss – meiner Meinung nach voellig misslungen

W-2008-04-05-alfons-versuchter-koerperabguss-1

Ich knuepfe jetzt da an, wo vom Koerperabguss die Rede war und wo cinderella schrieb, sie haette gern einen solchen gesehen. Das ist der erste Versuch; aber Alfons war voellig zufrieden. Seltsam, nicht?

Abguesse von Koerperteilen, die man dann miteinander verbinden konnte, aber nicht richtig, dh nahtlos zusammenpassten. Ich dachte, er wollte eine vollkommene Oberflaeche, nicht rauhes Stueckwerk - Torso, Kopf, Gliedmassen. Vielleicht, weil das Ganze leichter transportabel war und so auch leichter zum Demonstrationsobjekt und auch Privatfetisch werden konnte.

Audrey: Alfons, waechst dir die Sache schon ueber den Kopf?
Alfons: Warum denn?
Audrey: Oder wird’s dir zu teuer?
Alfons: Geld! Geld spielt nicht die Rolle, die man ihm gemeinhin andichtet.
Audrey: Kein Wunder – du verdienst auch viel viel mehr als ich!
Alfons: Also seitdem die Universitaeten gekippt sind...
Audrey: Ich dachte, das ist schon 2001 passiert.
Alfons: Wollen wir jetzt über interne Managementinstrumente oder -strukturen reden und wie demokratisch die Reform verlaufen ist?
Audrey: Also ich verdiene derzeit ungefaehr 1000 Euro.
Alfons: Und ich muss fuer zwei noch nicht volljaehrige Kinder sorgen, die noch lange finanziell von mir abhaengig sein werden, noch dazu, wo vorauszusehen ist, dass von ihnen Medizín studieren wird.

Alfons verdiente damals etwa 4000 Euro. Das nahm ich jedenfalls an. Er machte ja gern ein Geheimnis aus Gelddingen. Ja, er umgab sich ueberhaupt gern mit der Aura des Geheimnisses. Er war gewissermassen auch physisch unnahbar, obwohl sexuellen Eskapaden nicht abgeneigt. „Alles zu seiner Zeit!“ Oder: „Zuerst muss ich den Kopf frei haben!“

Seine Romantik bestand natuerlich nicht nur darin, dass er sich Doubles von mir wuenschte in den verschiedensten Medien – natuerlich Fotos, er machte Unmengen von mir, vergass aber dann hauefig, mir eine CD davon zu brennen oder sie mir mitzubringen. „Tut mir leid, hab vergessen“ – auch so ein Standardspruch. Aber er war ja auch immer eingedeckt mit Arbeit, Verpflichtungen der verschiedensten Art etc. So kam es maximal einmal pro Woche zu einem Treffen.

Aber Videoaufnahmen – davon habe ich ihm einige abnehmen koennen, bevor er sie – wofuer auch immer – verwerten konnte, seine Zerstreutheit war mir eine Hilfe.

(Siehe auch: http://twoblogs.twoday.net/stories/4820844/)

Montag, 21. April 2008

Ediths 1968

W-2008-04-12-jasmin-zeitschrift-fuer-das-leben-zu-zweit-1968

Da ich aufgrund meines Geburtsdatums zu 1968 nichts sagen kann, wollte ich besonders im Vergleich zu dem, was in den letzten Wochen zu lesen und zu sehen war, etwas Persoenliches hoeren. Die Anregung dazu kam von Barbara Lehner. Ich habe Edith, als eine im Jahr 1960 Geborene, dazu befragt und mir Folgendes notiert:

*„Ein haeufiges Thema bei meinen Eltern war damals die Pille. Wenn ich Dixi-Bonbons gegessen habe, habe ich gesagt: Ich nehm jetzt die Pille!“

*„Meine Mutter hat nur schlecht ueber die Hippies geredet. Hippies waren das Schlimmste fuer sie. Spaeter hat sie immer wieder die Angst geaeussert, ich wuerde so werden wie sie. Sie hat mir die Hoelle heiss gemacht, wenn ich etwas anziehen wollte, was mir gefallen hat. Ich sollte eine graue Maus bleiben wie sie.“

*“ Vielleicht erst einige Jahre spaeter habe ich in der Zeitschrift 'Jasmin' einen Artikel ueber ein Aussteiger-Paar gelesen, das nach Indien ausgewandert ist. Die Frau war zum zweiten Mal schwanger. Sie wollten vom Postkartenverkauf leben. Mich hat das sehr beeindruckt, weil das ein ganz anderes Leben war als das, was meine Eltern gefuehrt haben."

*"Ausserdem gabs da in der Mitte ein rosa eingefaerbtes Erotik-Lexikon. Das konnte ich mir anschauen, ohne das jemand etwas dagegen gehabt haette. Ich war ja auch viel allein. Aus 'Jasmin' und ‚Praline’ habe ich meine Kenntnisse ueber sexuelle Dinge schon sehr frueh bezogen. Abartig, Abtreibung und Ausserehelicher Geschlechtsverkehr - ungefaehr damit hat es begonnen.“

*„Wir sind jeden Sommer nach Italien gefahren. Damals wahrscheinlich nach Misano Adriatico. Waehrend der Fahrt haben wir immer gesungen. Eines der Lieder, das ich jetzt noch auswendig kann:

Mich brennt´s in meinen Reiseschuh´n
Fort mit der Zeit zu schreiten.
Was sollen wir agieren nun
Vor soviel klugen Leuten?

Da hebt das Dach sich von dem Haus’,
Und die Kulissen rühren
Und strecken sich zum Himmel aus;
Strom, Waelder musizieren.

Und aus den Wolken kommt es sacht,
Verwandelt Bild und Rollen,
Wie sich's kein Autor hat erdacht
Und anders als wir wollen.

Da geh'n die Einen müde fort,
Die Ander'n nah'n behende.
Das alte Stück, man spielt es fort
Und bringt es nie zuende.

Und Keiner kennt den letzten Akt
Von Allen, die da spielen;
Nur der, der droben schlägt den Takt
Weiß, wo das hin will zielen.
"

*Ich hatte einmal in der Woche Klavierunterricht, und zwar bei einer Lehrerin, die als Unverheiratete in der Schule gewohnt hat. Nach einigen Jahren hat sie einen 30 Jahre aelteren Mann geheiratet. Meine Mutter konnte das nicht fassen.“

*"Ich habe oft etwas von einem Olah-Prozeß gehoert. Dieser Olah wurde dann auch verurteilt, wegen Veruntreuung. Das hatte auf mich eine starke Auswirkung, weil ich Kassabuecher meines Onkels vollgekritzelt und dann in einer Tonne im Keller versteckt hatte. Die Firma meines Onkels ging in Konkurs, und ich dachte, ich sei daran schuld. Dieser Gedanke hat mich jahrelang verfolgt.“

*"1968 hat sich in Wirklichkeit erst 10 Jahre danach auf mein Leben ausgewirkt. Ich habe das Buch 'Die Kinder von Torremolinos' von James Michener gelesen und bin dann mit meinem Freund auch zur Costa del Sol gefahren. Auf dem Strand dort haben wir alles getroffen, was meine Mutter so verteufelt hat: Hippies, Drop-outs, Kriegsdienstverweigerer und Sinnsuchende aller Art.“

Freitag, 18. April 2008

Servizio della bellezza!

W-2008-03-29-paglieri

Haut – im Vergleich zu anderen Frauen bin ich einerseits sehr eingefahren auf bestimmte Rituale der Koerperpflege; aber ich habe auch bestimmte Leerstellen, das heisst Bereiche, fuer die kein Interesse und auch kein Beduerfnis vorhanden ist, wo aber der Schoenheitssinn und gesellschaftlich bedingte Erwartungen mein Verhalten bestimmen. Also von Autonomie und Freiheit keine Spur, wenn es zum Beispiel um Haare geht! Davon vielleicht spaeter.

Edith hat ein sehr wechselhaftes Gesicht, was auch mit ihrer empfindlichen, duennen Haut zusammenhaengt. In kurzer Zeit kann sie sich von gut durchblutet in eine durchscheinende Blaesse verwandeln; und unter den Augen sind dann blaeulich weisse Halbmonde zu sehen. Ihre Haut kann prall erscheinen; dann wiederum um den Mund und am Halsansatz fein gefaeltelt. So wechselt sie zwischen dem Aussehen einer unter 30- und ueber 50-Jaehrigen. (Jetzt klammere ich einmal die Zeichen der Migraene aus.) Das ist faszinierend, aber wahrscheinlich nur fuer mich.

Sie beginnt ihre Koerperpflege am Morgen mit dem Abschminken der Augen. Dazu benuetzt sie Wattestaebchen. Sie waescht sich am ganzen Koerper mit kalten, maximal lauwarmem Wasser. Sie verwendet meist nur Feuchtigkeitsmilch. Fuer die Haende benuetzt sie eine crema di miele. Von speziellen Cremen haelt sie nichts. Sie findet, dass am wichtigsten fuer die Haut Vitalitaet und Lebensfreude sind. Dazu kommen viel Wasser als Lebenselexier, gesunde Ernaehrung und Vermeidung direkter Sonnenbestrahlung.

Wenn ich ihr erzaehle, was ich frueher alles aufgefuehrt habe, um mich vor faltiger Haut im Alter zu bewahren, beginnt sie zu lachen. Ich finde mich ja auch komisch, wenn mich an das zwanghafte Auflegen von diversen Masken erinnere - Honig, Eigelb, Hefe, Buttermilch, Zitronen- und Orangenscheiben, geriebene Aepfel, Erdbeeren, Avocadomus etc.; und das alles unter dem Titel Naturkosmetik. Ich hatte keinen einzigen Pickel waehrend der Pubertaet, waehrend manche meiner Schulkolleginnen geradezu „bluehten“.

Puder spielt eine sehr wichtige Rolle. Es gibt eine grosse hellblaue leicht geriffelte Puderdose mit Drehverschluss im Badezimmer, Azurra Paglieri, allzeit griffbereit! Dazu zwei rosa Puderquasten. Es genuegt dieser feine Thymianduft, den der Puder ausstroemt, diese duftende Talkschicht, die eine streichelweiche Haut erzeugt, am besten nach dem Baden ueber den ganzen Koerper verteilt. So koennen Sie sich jede Body Lotion sparen.

Montag, 14. April 2008

Mein rotes zusammenGeknautschtes Klatschmohnparadies!

W-2008-03-25-G-von-gut

Meine Mutter*) hat wieder einmal eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen. Sie saGte es direkt: Du wolltest doch kommen! - Ja, ich wollte kommen, und ich bin ja auch schon beinahe unterweGs!

Ich habe ein Gutes Verhaeltnis zu ihr. Wir telefonieren fast jeden Tag. Ich erinnere mich nur an Schoenes, wenn ich an Zuhause denke: BlumenGarten, Kischen-, Aepfel- und Birnbaeume, Schuppen, Dachboden, Stall, Huehner, Gaense, Enten, Katzen, Hecken, Felder, FeldweGe, Au, Teiche, Donau etc.

Ich war kein sehr behuetetes Kind. Ok, ich war schon behuetet, aber nicht zuhause, sondern in der Klosterschule. Deshalb auch voller Aengste, bis ich schliesslich eine Gottesphobie entwickelt hatte, dh eine ueberGrosse Angst vor Gott. Komisch war, dass er auch auf den beflueGelten Koepfen der Schwester-Lehrerinnen sass und herunterschimpfte (und –Grinste). Ich musste mich ducken und lernte das Schielen. So zwischen fast Geschlossenen AuGen heraus dieser mein zuGleich unterwuerfiGer und zorniGer Blick. Also Gottesliebe, voellig verdreht, weil der ja auch auf den Bruesten der Schwestern-Lehrerinnen sass, zwischen denen oft auch ein pochendes Herz - Jesu - fuer mich blinkte. Sie waren Geschlechtslos, also faktisch keine Menschen, zumindest keine Frauen. Dann wiederum rochen sie doch sehr Geschlechtlich - so als wuerden sie sich nicht waschen oder sich nur jede Nacht mit Myrrhe und Weihrauch durchraeuchern lassen. Es war ein eiGentuemlicher MischGeruch, der mich auch aufreGte – einerseits Grauslig; andererseits aber auch so ein komisches Versprechen – dass, wenn Sie sich ihm voellig hingeben, das heisst: voller Vertrauen, Sie auch beschuetzt und behuetet werden vor all dem Boesen, das hinter ja jeder Tuer lauert, hinter jedem Fenster und jedem Stein .

***

Dr. G.: Warum ist dein G so Gross?
Audri: Weil es aus so vielen Menschen besteht. Aus mehr als 50. Aus hunderten!
Dr. G.: Koennte es noch Groesser sein?
Audri: Natuerlich. Ich stelle mir Gerade ein kontinuierliches Wachstum vor.
Dr. G.: Wie meinst du das?
Audri: Dass sich immer mehr Menschen dazuleGen. Ein staendiGes Kommen, Ausziehen und HinleGen. Sie muessen nur darauf achten, dass die G-Form erhalten bleibt.
Dr. G.: Dann ist ja alles auf dieser Wiese in staendiGer BeweGung?
Audri: RichtiG. Das ist zuGleich das Paradies und auch eine Art Hoelle.
Dr. G.: Vorn das Paradies und hinten die Hoelle?
Audri: Wenn du es unbedinGt so Genau wissen willst - ja.
Dr. G.: Also vorn der verfuehrerische Mohn?
Audri: Ja, der verfuehrerische Mohn - Klatschmohn - , mit diesen zusammenGeknautschten, so schnell welken Blaettern, die du mir zuliebe auszupfen muesstest, wenn ich mich ins Klatschmohnfeld leGe.
Dr. G.: Du haettest also Gern eine rote zusammenGeknautschte Klatschmohnfelddecke?
Audri: Ja, von nichts anderem traeume ich die Ganze Zeit. Das waer dann mein rotes zusammenGeknautschtes Klatschmohnparadies!

*) Siehe auch:
http://twoblogs.twoday.net/stories/4817622/
http://twoblogs.twoday.net/stories/4620564/
http://twoblogs.twoday.net/stories/4624944/
http://twoblogs.twoday.net/stories/4578154/

Freitag, 11. April 2008

Kurzer deutscher Kussunterricht

W-2008-04-05-twoblog-new-figure-kissing-red

Kuesst man so in Deutschland? Oder doch eher in der Schweiz? Ist das ein deutsch-schweizer Ambivalenzkuss? Und ein schweizerisch-deutscher Leidenschaftskuss? Oder doch eher etwas sehr Zaertliches, bei dem grelles Blitzlicht stoeren wuerde?

Hat es etwas zu bedeuten, daß der Kuessende links steht? Ist er in sich zusammengesunken? Zieht sie ihn zu sich herauf, damit sich ihre Lippen ueberhaupt errreichen? Beruehrt sich mehr als ihre Lippen? Was machen seine Haende?

Sie hat die ihren an seine Wangen gelegt, vielleicht mit Handschuhen – dann waere es ein Abschied: sie geht, er bleibt. Beide tragen aber dunkle Maentel. Wuerde das nicht bedeuten, dass diesem Kuss noch weitere am Flughafen folgen werden?

Sie verlassen gerade ein grosses Wohnzimmer, in dem ein ovaler Tisch steht, auf dem die Geschenke ausgebreitet waren. Ostern ist schon eine Weile vorbei, aber es laesst sich verlaengern. Und aus der Vorfreude – Geschenke zu erfinden und sich dabei schon Ueberraschung und Freude der Beschenkten vorzustellen – waechst die Freude bei jedem Zerreissen eines Geschenkpapiers.

Ich denke, dass es sich hier um ein Worship-Paar handelt. Ich habe erst unlaengst davon gehoert, wie erfolgreich auf diese Weise Partner und Partnerinnen vermittelt werden koennen.

Jedenfalls sagt dieses Bild weniger als 1000 Worte, die ich als Betrachterin allerdings nicht aussprechen kann. Aber aus dem Mund deutscher Freundinnen und schweizer Freunde war etwa Folgendes zu hoeren:

"Zu den eigenen Macken und auch echten Schwaechen sollte man stehen. Wenn jemandem das nicht passt, muss der das auch offen sagen koennen. Und beim Kennenlernen sollte man kleine Schwaechen beim Partner erst mal akzeptieren - nobody is perfect! Keine Erfolgs- oder Misserfolgsstorys aus der Vergangenheit ausbreiten. Einfach reden über das, was ist und welche Ziele jeder hat. Frauen sollten unbedingt auch eine eigene Meinung und Wunschliste haben - sonst ist es schade um die investierte Zeit. Warum nicht einfach mal zwei Verabredungen abwarten und sehen, ob die gegenseitigen Vorstellungen der Wirklichkeit standhalten und was sich spontan ergibt? Auf keinen Fall mit Riesenillusionen ein perfektes Date inszenieren wollen. Wenn man das Verhalten seines Gegenübers falsch interpretiert, kann das fatale Folgen haben. Ein bisschen Distanz zu sich und seinen Gefuehlen muss man schon wahren und sich Zeit lassen. Nicht schon beim ersten Treffen mit Fragen à la 'Wie lange wuerdest du bei einem Baby zu Hause bleiben?' daherkommen. Langes Taktieren signalisiert nur Desinteresse! Ich denke, waeren wir uns auf der Strasse begegnet, waeren wir wohl aneinander vorbeigegangen. Daher: Vor allem offen sein und moeglichst viele hintereinander austesten, ihre Qualitaeten bei Tisch und im Bett."

Womoeglich haben die Kuesser gleich danach die Schweizerische Bundesbahn genommen und sind in Richtung Flughafen abgeduest.

Und wissen Sie, was ich mir - auch im Hinblick auf meine eigenen Erfahrungen - jetzt gedacht habe? Je aelter die Scheune, desto heller das Feuer!

Uebrigens: falls Sie wissen wollen, ob jemand - Sie oder Ihr Partner bzw. Ihre Partnerin - an einer kurzfristigen oder doch an einer laengerfristigen Beziehung interessiert ist, dann koennen Sie das bei diesem Gesichtstest erfahren: http://face.dur.ac.uk/expt/lgb/08/april/

Mittwoch, 9. April 2008

Die gute und die boese Hand

W-2008-04-04-puppies-haende

Zumindest zu einem Koerperabguss waere ich in der Lage gewesen, mit gleichmaessigen natuerlich erscheinenden Haenden, haette mir das zum Beispiel Alfons gesponsert. Die meiner Puppie sehen so aus: links die boese, recht die gute Hand.

Warum nicht umgekehrt? Weil die gute Hand schreibt, waehrend die boese zuschlaegt. Die klatscht dir eine, wuerde es in Deutschland heissen. Dazu, entschuldigend (wenn eine Erklaerung gefordert wird): Die ist die boese, sie kann nicht dafuer. Wuerden Sie das akzeptieren?

Mein Vater ist Linkshaender; er hat auch viel geschrieben. Also sind bei ihm die moralischen Handverhaeltnisse genau umgekehrt. Ihm ist nie die Hand ausgekommen, wie das die Mutter immer betont hat.

Hiesse das - die rechte, die plumpe, wuerde nie zaertlich sein koennen; dagegen die linke, die zarte, feingliedrige, wuerde nur Streicheleinheiten und Liebe verteilen?

Alfons hatte Haende, die ihm noch plumper erschienen als die Rechte der Puppie. Aber er haette gern solche gehabt, natuerlich etwas mehr maennlichem Touch. Er sprach immer von den langen Fingern eines Kollegen - pointierte Maennerfinger, besser als seine Stummel.

Was faellt mir jetzt noch zu ihm ein? Dass er so oft davon geschwaermt hat, wie es waere, wenn ich von mir einen Koerperabguss machen lassen wuerde. Er hat mich gedraengt, keineswegs uneigennuetzig: denn dann haette er Anspruch auf mein Double gehabt, es ueberallhin mitnehmen koennen.

Er haette es zum Beispiel in seinem Buero im Institut fuer Kunstwissenschaften, Kunstpaedagogik und Kunstvermittlung aufstellen koennen, mich also indirekt damit vor Kolleginnen und Kollegen und Studierenden ausstellen. Er haette diesen meinem Ersatzkoerper – jedenfalls in seinen Gedanken und auch mittels bestimmter Handlungen – sogar besitzen koennen, wenn sich Besitz darin manifestiert, dass Standort, Transport, Verfuegbarkeit etc. nur vom Willen des Besitzers abhaengen.

Er haette mich nicht fragen muessen, was er mit meinem Abguss-Double anfaengt. Er haette es ganz nach seinem Geschmack ankleiden koennen, einfaerben mit typischen Alfons-Farben, mit mir vielleicht unwillkommenen Attributen versehen etc.

Er haette es aber auch zum Mittelpunkt eines Hausalters machen koennen, eines gar nicht heimlichen Audri-Goettinnendienstes und mich mit seinen beiden Haenden ueberall beruehren koennen - alles ohne mein Wissen und vielleicht sogar ohne meine Zustimmung.

Dazu: http://twoblogs.twoday.net/stories/4820844/

Montag, 7. April 2008

Propriété privée...

W-2008-04-04-pueppchen-grangettes-

Zu Puppie ein Gegenbild – der Kopf eines Pueppchen, das ich am Lac Leman gefunden habe, im Sommer vorigen Jahrs. Ich lief auf dem Weg im Waeldchen bei der Rhonemuendung und kam zu einem Wegweiser: nach links „LES GRANGETTES“*); nach rechts „PROPRIÉTÉ/PRIVÉE/ PASSAGE/INTERDIT/ATTENTION/CHIEN“. Alles schon ziemlich morsch, die Schrift schlecht leserlich. Der Boden morastig, ich musste aufpassen. Am Ufer erblickte ich bald dieses Pueppchen, inmitten von Schwemmgut.

En face kommt auch das Profil deutlich hervor, ein Effekt, der durch den Tritt einer unbekannten Person entstanden sein mag.

Dieses Pueppchen waere frueher nicht mein Fall gewesen, kein Spielzeug fuer mich – die Augen zu gross und traurig; das Gesicht zu breit und blass; die Haare zu fein und wirr.

Ich hab es aus Neugier und Mitleid aufgelesen. Auch weil mich es an diesen besonderen Ort erinnert, an die vibrierende gewittertraechtige Stimmung, die damals geherrscht hat; und auch an meine schoenen Barbies, von denen ich manchmal dachte, sie waeren meine Kinder. Sie hatten Namen - Francis, Linda und Michelle.

Aber meine Puppie ist nicht aus mir gewachsen, obwohl sie meine Doppelgaengerin ist, auch aus der Ferne betrachtet. Ohne Zweifel waere ich dazu faehig gewesen, sowohl zum einen als auch zum andern: dass meine Doubles in mir heranwachsen; und dann aus mir herauswachsen als mein eigenes Fleisch und Blut; aber auch dazu, dass ich mir meine Doubles selbst herstelle, wenn ich mir die entsprechenden Kenntnisse angeeignet habe, aus den passenden Materialien: Gips, Ton, Holz, Metall.

Das alles wuerde ich nicht brauchen, wuerden mir solche "out-of-body"-Erlebnisse gelingen, ohne davon erschreckt zu werden:

"An dem betreffenden Morgen wachte A. mit einem seltsamen Gefuehl auf. Als sie sich umdrehte, sah sie sich selbst noch im Bett liegen. Sie wurde aergerlich über »diese Person, von der ich wusste, dass sie ich selbst war, und die durch ihr Verhalten riskierte, dass ich zu spät zur Arbeit kommen wuerde«. Sie versuchte, den Koerper im Bett aufzuwecken - zuerst, indem sie ihn anrief; dann, indem sie ihn schuettelte und schliesslich, indem sie wiederholt auf ihrem anderen Ich im Bett umhersprang. Der liegende Körper zeigte keine Reaktion. Erst in diesem Moment wurde sich die Betroffene über ihre eigene Doppel-Existenz bewusst und war zunehmend verwirrt über die seltsame Unsicherheit, wer von den beiden nun sie selbst war. Mehrere Male sprang ihr Bewusstsein zwischen jenem Koerper, der aufrecht stand und jenem, der im Bett lag, hin und her und ihre einzige Absicht war es, wieder eine Person zu werden; waehrend sie aus dem Fenster schaute (von wo aus sie ihren Koerper noch immer im Bett liegen sah), entschied sie ploetzlich, aufzuspringen, »um dieses unertraegliche Gefühl, in zwei gespalten zu sein, zu stoppen«. Zur gleichen Zeit hoffte sie, »dass diese letzte verzweifelte Tat die Andere im Bett aufschuettelt und so endlich dazu draengt, sich wieder mit mir zu vereinigen«" **).

*) http://www.pronatura.ch/vd/imgs/grangettes.jpg
http://www.pronatura.ch/vd/imgs/dechets.jpg
**) Illusory reduplication of one's own body: phenomenology and classification of autoscopic phenomena, Cognitive Neuropsychiatry, 1997, 2 (1), 19 - 38, P. Brugger and M. Regard;
Heautoscopy, epilepsy, and suicide, Journal of Neurology, Neurosurgery and Psychiatry, 57, 838-839, 1994, Brugger, P., Agosti, R., Regard, M., Wieser, H-G., Landis,T.

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Menü

Aktuelle Beiträge

Welchen Typ des Metrosexuellen...
Welchen Typ des Metrosexuellen meinen Sie denn, Booky:...
twoblogs - 12. Mai, 10:22
Danke für das vielleichtige...
Danke für das vielleichtige Ständchen. F.M....
books and more - 12. Mai, 07:28
Ferdl...
Mit Verlaub: My Fairy King ist ein sehr geniales frühes...
Scheibster (anonym) - 11. Mai, 19:53
Lieber Bandini, so toll...
Lieber Bandini, so toll ist es auch wieder nicht unter...
twoblogs - 10. Mai, 16:12
Alfons und sein unfolgsamer...
Ich hab Alfons nicht dazu angehalten, seine Rechte...
twoblogs - 10. Mai, 01:26
Unter der Autobahn durch...
Unter der Autobahn durch möchte ich aber mit Ihnen...
Bandini - 9. Mai, 14:26
Danke! Jedes gehobene...
Danke! Jedes gehobene Glas belebt die Sinne!
twoblogs - 9. Mai, 12:04
Daran hab ich - vielleicht...
Daran hab ich - vielleicht erstaunt Sie das - noch...
twoblogs - 9. Mai, 09:44
weder noch, liebe audriii:...
weder noch, liebe audriii: LINDA!
schneck06 - 9. Mai, 08:57
Ich erhebe das Glas,
wann auch immer gefeirt wird - und gratuliere von Herzen....
katiza - 9. Mai, 07:22
If you want peace of...
Wenn Sie an Freddies Statue vorbei in der Grand Rue...
twoblogs - 9. Mai, 01:29
Sind aber Fruehkartoffeln,...
Sind aber Fruehkartoffeln, also schnell verschwunden! PS:...
twoblogs - 8. Mai, 19:34
Nein, weiss ich nicht....
Nein, weiss ich nicht. Na, schreiben Sies schon, Fraenk...
twoblogs (anonym) - 8. Mai, 19:28
liebe audrii, gewusst,...
liebe audrii, gewusst, wer um ca. 1638 erstmals in...
schneck06 - 8. Mai, 19:09
EIn Bild von Freddy habe...
EIn Bild von Freddy habe ich auch noch irgendwo. Die...
Bandini - 8. Mai, 17:55
Lieber Bandini. Nicht...
Lieber Bandini. Nicht nur die "Muttis" fotografieren...
twoblogs - 8. Mai, 15:50
Wenn Sie sich schon so...
Wenn Sie sich schon so mit patatoes beschäftigen,...
M_Roeper (anonym) - 8. Mai, 14:02
so ein auswahl -- erdäpfelchen,...
so ein auswahl -- erdäpfelchen, &alle weiblichen...
gabi (anonym) - 8. Mai, 12:12
Nun ja, der Platz an...
Nun ja, der Platz an der Markthalle ist ja eher langweilig....
Bandini - 7. Mai, 13:32
Mein Staendchen fuer...
Mein Staendchen fuer Sie, lieber Bookynist, folgt vielleicht...
twoblogs - 7. Mai, 11:24

Free Text (1)

Stats by Net-Counter

Free Text (2)

Audrey_Sandrock et gmx dot net

Archiv

Mai 2008
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 1 
 3 
 5 
 6 
 8 
10
11
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
 
 
 

Suche

 

Status

Online seit 165 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 12. Mai, 10:22

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (with comments)

twoday.net AGB

Meine Kommentare

Welchen Typ des Metrosexuellen...
Welchen Typ des Metrosexuellen meinen Sie denn, Booky:...
twoblogs - 12. Mai, 10:22
Demnach haett ich Hirschbeine:...
Demnach haett ich Hirschbeine: sehr schlank; und sehr...
kepkezkem - 10. Mai, 23:03
Sie werfen das Geweih...
Sie werfen das Geweih ab und legen sich hin! ;-)) Audrii
schneck06 - 10. Mai, 23:00
Lieber Bandini, so toll...
Lieber Bandini, so toll ist es auch wieder nicht unter...
twoblogs - 10. Mai, 16:12
Wahrscheinlich ein Individualreisender,...
Wahrscheinlich ein Individualreisender, der vorher...
lajadia - 9. Mai, 22:46
Besonders begruesse ich...
Besonders begruesse ich die Vervielfaeltigung durch...
booksandmore - 9. Mai, 20:25
Ihre Aengste verstehe...
Ihre Aengste verstehe nicht ganz: ist denn Fr. Faust...
creature - 9. Mai, 20:20
Danke! Jedes gehobene...
Danke! Jedes gehobene Glas belebt die Sinne!
twoblogs - 9. Mai, 12:04