Alfons und sein unfolgsamer Daumen

Ich hab Alfons nicht dazu angehalten, seine Rechte auf diese Weise zu verunstalten. Originell daran ist, dass dabei ja von innen – dem Innern der Faust – etwas herauskommt, was tatsaechlich wie ein Finger ausschaut. Demnach muss es wohl auch sein Daumen gewesen sein, der da den Durchbruch geschafft hat.
Schwierig ist es jetzt fuer mich weiterzuschreiben. Einerseits hat das Bild – das ja nur eines der Fotos ist, das ich von den vielen Gipsabguessen seiner Haende gemacht habe – eine gewissermassen magnetische Wirkung. Sie schauen ja genauso wenig wie ich auf den Knoechel des Zeigefingers, der hier ja extrem kraeftig heraustritt. Ich wuesste von keinem Mann, den ich naeher kennenlernen durfte, zu sagen, ob sein Knoechel sich auch so knochig - und widerstandfaehig - zeigen wuerde.
Andererseits denke ich an aufbrechende Knospen. Bei der Erinnerung an den bereits vergangenen Fruehling faellt mir zuerst meine Freude beim Anblick von Knospen ein, egal an welchem Gewaechs. Ich sag das so: ein Zweig voller Knospen bedeutet freudige Erwartung. Die Frage ist, was schoener ist: dieser und der bereits voll erbluehte.
Und jetzt – Sie glauben das vielleicht nicht – komme ich zum Kirschbluetenfest. Dahinter steckt die Frage, warum es in unserer Kultur nicht moeglich ist, einen natuerlichen Vorgang zu feiern. Wir koennten ja die Apfel-, Birnen- oder Marillenbluete feiern. Wir koennten auch ein Maigloeckchenfest veranstalten, ein Fest der fliegenden Birkensamen usw. Wir koennten uns auch an den Bienen begeistern, also die erste Biene zum Anlass nehmen, uns an Honig guetlich zu tun, oeffentlich natuerlich.
Seltsam – die Hand von Alfons erscheint mir honigfarben. Honig ist suess und harmlos. Allerdings lockt er Baeren an. Sind Sie ein solcher? Dann reichen Sie ihm doch die Hand, dem fernen Herrn in seinem abgusstraechtigen Institut!
twoblogs - 12. Mai, 12:15
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